Europa hinkt globaler Wirtschaft hinterher

28. März 2013, 13:11
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Die Dauer-Krise in der Eurozone verhindert einen nachhaltigen Aufschwung

Paris – Die Weltwirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Das ist die gute Nachricht. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat im ersten Halbjahresbericht für 2013 über die Wirtschaftsentwicklung in den wichtigsten Industriestaaten der Welt vorgelegt. Für Europa gibt es allerdings weniger erfreuliche Entwicklungen. Die Dauer-Krise in der Eurozone verhindert einen nachhaltigen Aufschwung, so die OECD-Experten.

In den USA wird im ersten Quartal 2013 ein Wachstum von 3,5 Prozent und im zweiten Quartal von zwei Prozent erwartet. In den drei wichtigsten Volkswirtschaften im Euroraum, in Deutschland, Frankreich und Italien, dürfte das durchschnittliche Wachstum deutlich darunter liegen. Österreich wird in diesem Bericht nicht detailliert behandelt. Laut OeNB kommt auch sie nur langsam aus ihrem Konjunkturtief.

Deutschland könnte nach OECD-Einschätzung im ersten Halbjahr 2013 ein kräftiges Wirtschaftswachstum verzeichnen. Im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um knapp 0,6 Prozent zulegen, im zweiten Quartal dann um fast 0,7 Prozent. Auf das gesamte Jahr gerechnet bedeutet dies einen Zuwachs von 2,3 beziehungsweise 2,6 Prozent.

Staaten driften auseinander

Es werde damit erneut ein deutliches "Auseinandergehen" zwischen dem Wachstum in Deutschland und dem in anderen Euro-Staaten geben, wo die Wirtschaftsleistung nur gering zunehmen oder sogar schrumpfen werde, erklärte die OECD. So befindet sich Frankreich derzeit in einer leichten Rezession: Nach einem Rückgang des BIP um 0,3 Prozent im vierten Quartal 2012 dürfte die Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2013 laut OECD nochmals um knapp 0,2 Prozent schrumpfen. Erst im zweiten Quartal gibt es dann wieder ein minimales Wachstum von rund 0,1 Prozent.

Wenig Hoffnung sieht die OECD für den Arbeitsmarkt im Euroraum. Ein schwaches Wachstum und das geringe Vertrauen würden in weiten Teilen Europas die Anstrengungen, die Arbeitslosigkeit zu senken, zunichte machen.

Angesichts der Zypern-Krise mahnt die Organisation eine starke Bankenaufsicht für die Eurozone ein. Der Fall Zypern zeige, dass die "richtigen Institutionen in der Eurozone zum Erhalt der Stabilität des Bankensystems" eingerichtet werden müssten, erklärte die OECD in Paris. Zypern sei zwar ein "außergewöhnlicher Fall"; dieser zeige aber, dass Bankenkrisen "direkt und entschieden" entgegengetreten werden müsse.

Die Eurozone bleibe "verletzlich" angesichts der "Zerbrechlichkeit des Bankensystems" und der hohen Schuldenlast der Euro-Staaten. "Es müssen schnelle Fortschritte bei der Einrichtung eines umfassenden Systems einer gemeinsamen Bankenaufsicht gemacht werden." (APA/red, derStandard.at, 28.3.2013)

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