Euros pflastern Austrias Weg zum Titel

28. März 2013, 13:15
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Mit einem Heimsieg gegen Salzburg gedenkt die Austria am Sonntag endgültig in die Via Triumphalis Richtung 24. Meistertitel einzubiegen. Der Erfolgslauf kostet die Wiener nicht wenig, er zahlt sich aber auch ordentlich aus

Wien - Gelingt der Austria am Sonntag die Revanche für die im September anlässlich der neunten Runde erlittene 0:1-Heimniederlage, beträgt der Vorsprung auf den noch regierenden Meister 16 Punkte. Die wären in den dann verbleibenden neun Runden wirklich nur mit allergrößter Mühe zu verspielen.

Ja, schon der 13-Punkte-Polster vor der Salzburg-Partie desillusioniert zum Beispiel den in Malta ansässigen Wettanbieter Tipico derart, dass er Meisterwetten auf die Violetten schon jetzt auszuzahlen bereit ist. Und der Klub selbst fühlt sich hinreichend sicher für eine kleine wirtschaftliche Zwischenbilanz.

Hoher Prämienaufwand

Der Erfolg ist zunächst nicht billig. 65 Punkte und ein Europacup-Startplatz wurden vor der Saison budgetiert. "Wie eigentlich immer", sagt Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer. Die Austria hat aber schon 64 Punkte verbucht. Hält sie ihren Schnitt bis zum Schlusspfiff der Saison, gehen sich gar 89 aus, wird der Prämienaufwand also enorm. Zumal Siege dann besonders hoch dotiert sind, wenn die Mannschaft an der Tabellenspitze liegt.

Die in den Spielverträgen fixierten Meisterprämien sind leistungsbezogen. "Die Höhe hängt davon ab, wie oft der Spieler zum Einsatz kommt. Und Stammkräfte bekommen natürlich deutlich mehr als Spieler, die nur zwei, drei Kurzeinsätze hatten", sagt Kraetschmer.

6500 Abonnements

Der 41-Jährige will aber nicht jammern. Schließlich bringen der Meistertitel und der Weg dorthin auch unabhängig vom anschließenden Abschneiden im Europacup - die Qualifikation für die Champions League käme dem Jackpot gleich - nicht wenig Geld. Die Austria hat schon fürs laufende Frühjahr 6500 Abonnements verkauft. Kraetschmer kann sich an keinen besseren Dauerkarten-Absatz erinnern, und der Mann arbeitet immerhin schon 16 Jahre für den Klub.

Der Zuschauerschnitt lag mit 9600 pro Spiel schon nach dem Herbst deutlich über jenem der gesamten Liga (7.200), zudem wurde auch in dieser Wertung Salzburg (9.000) abgehängt. Nur die Heimspiele des Stadtrivalen Rapid (14.400) und von Sturm (11.600) waren besser besucht, wobei die Grazer im bisherigen Frühjahr deutlich verloren haben, die Violetten aber ihre Zahlen fast halten konnten. Die verbleibenden sechs Heimspiele, so hofft man, werden echte Renner. Und schließlich verkauft sich auch der VIP-Club hervorragend. Tagestickets sind kaum zu bekommen.

Lizenz ohne finanzielle Auflagen

Während höhere Verkaufserlöse aus dem Bereich Merchandising sowie vereinbarte Bonuszahlungen von Sponsoren das Vereinskonto jetzt schon auffetten, laufen auch Verhandlungen mit aktuellen und potenziellen Partnern. Die aktuelle sportliche Lage stellt für Kraetschmer einen " idealen Einstieg in positive Gespräche" dar. Dass der Austria die Lizenz ohne finanzielle Auflagen erteilt wird, gilt als sicher.

Nicht sicher ist, wie die Mannschaft nach dieser Saison aussehen wird. " Prinzipiell wollen wir sie zusammenhalten. Aber es ist auch gut zu wissen, dass Austria-Spieler sehr begehrt sind", sagt Kraetschmer. 

Rekordjagd

Sollte die Austria auch gegen Salzburg gewinnen, dann kann sie sich wohl endgültig aufs Rekordbrechen konzentrieren. Aktuell haben die Wiener nach 26 Runden 64 Zähler, ein derart dickes Punktekonto hat es zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben. Und die Violetten sind drauf und dran, zahlreiche weitere Bestmarken zu knacken.

  • Aktuell weisen die Austrianer 13 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Titelverteidiger Salzburg auf. Ein solch großer Vorsprung wurde in der Liga-Historie noch nie verjuxt. Der größte Abstand am Ende einer Saison waren 19 Zähler, dieses imposante Guthaben hatten Sturm Graz 1997/98 und Salzburg 2006/07.
  • 17 Punkte braucht die Austria noch, um den Allzeitrekord von Sturm von 81 Zählern aus der Saison 1997/98 zu erreichen. Der geheime Rekordhalter in dieser Rubrik ist aber eigentlich die Austria-Mannschaft der Saison 1985/86, umgerechnet auf die erst seit 1995 gültige Dreipunkteregel wären Herbert Prohaska, Toni Polster und Co. auf 84 Punkte gekommen.
  • Die damals eingefahrenen 26 Saisonsiege sind nach wie vor unerreicht, wackeln aber angesichts der schon 20 Siege der aktuellen Austria-Mannschaft. Jene Truppe rund um Jahrhundert-Austrianer Prohaska hält auch die Bestmarke der Serie an ungeschlagenen Spielen (26), die Mannschaft von Cheftrainer Peter Stöger ist immerhin schon 17 Partien ohne Niederlage.
  • Mit bis dato nur zwei Niederlagen hat die Austria einen weiteren Rekord im Visier, jeweils nur drei Pleiten mussten die Austria 1977/78, Rapid 1985/86 und Sturm 1997/98 hinnehmen.
  • Den von Rapid gehaltenen Torrekord mit 101 Treffern aus dem Spieljahr 1985/86 wird man kaum brechen können, aktuell hält man bei 65 Toren. Topstürmer der Liga ist Hosiner mit 27 Toren, auf die Allzeitbestmarke von Hans Krankl (41 Treffer 1977/78) fehlen noch 14.
  • Die nur 18 Saison-Gegentore von Salzburg 1993/94 werden weiter in der Rekordliste verewigt bleiben, schließlich hat die Austria schon jetzt 18 kassiert. Auch die früheste Titelentscheidung aller Zeiten von Sturm Graz 1997/98 bereits in Runde 29 scheint für die Austria außer Reichweite zu sein.
  • Es wurden aber auch schon große Vorsprünge verspielt in der Liga-Historie. So etwa in der Saison 2003/04. Damals hatte Rapid nach zwölf Runden bereits elf Punkte mehr als der GAK auf dem Konto, am Ende wurden die Grazer Meister, Rapid 15 Zähler dahinter Vierter. (APA, lü, DER STANDARD, 29.3.2013)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Austria auf Kurs.

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