Ökonomisches Wissen besser vermitteln

Leserkommentar29. März 2013, 17:18
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In den Schulen wird oft ein falsches Bild von Wirtschaft geboten

Die Vermittlung von ökonomischem Wissen ist sicherlich eines der schwierigsten Themen und hier werden wohl auch die größten Fehler gemacht. Viele Lehrer machen es sich leicht indem sie mit Schülern an Börsenspielen teilnehmen oder die Schüler auf Gewinn-Messen schleppen. Dabei wird nicht nur ein – meiner Meinung nach – falsches Bild von der Wirtschaft vermittelt, es wird bei vielen Schülern auch die Gier nach dem schnellen Geld geweckt.

Ein Bekannter von mir hat auch an einem Börsenspiel teilgenommen, und dann geglaubt, er könne sein durch einen Ferialjob schwer verdientes Geld schnell mal verdoppeln, was natürlich nicht gelang. Es werden meiner Meinung nach vielfach falsche Inhalte im Wirtschaftsunterricht vermittelt. Nicht die neuesten Finanzprodukte oder die interessantesten Skandalgeschichten sollten behandelt werden. Auch das Breittreten von allgegenwärtigen Vorurteilen über Banken und böse Spekulanten ist keine große Herausforderung für einen Lehrer (andererseits bräuchten unsere Lehrer für eine wirklich tiefgehende Erläuterung solcher Themen wohl ein Ökonomiestudium).

Bessere Inhalte

Als Inhalte für einen sinnvollen Wirtschaftsunterricht schlage ich vor: Verstehen was Wettbewerb bedeutet; was Macht und Mündigkeit des Konsumenten bedeutet und welche Versuche es gibt, diesen zu beeinflussen; wofür Unternehmen Geld brauchen und welche Möglichkeiten es gibt, sich dieses zu besorgen; warum Finanzmärkte sehr effizient sind und daher so gut wie alle Profis daran scheitern, sie zu "schlagen". Solche Inhalte sind sicher nicht so aufregend und "cool" wie die vorher erwähnten, sie sind jedoch die Grundlagen unseres Gesellschaftssystems.

Und ein Verständnis dieser Themen ist notwendig, damit die Bürger wieder Vertrauen in unsere Gesellschaft erlangen können und nicht abdriften in Weltverschwörungstheorien und esoterische Weisheiten. Auch das Erklären von Börsenpsychologie kann meiner Meinung nach kaum das Gewünschte erreichen. Wenn Menschen von Herdentrieb oder Selbstüberschätzung erzählt bekommen, werden die meisten diese Phänomene eher als Chance denn als Warnung erkennen. Den Umgang mit Geld zu vermitteln, kann man meiner Meinung nach nicht den Lehrern abverlangen. Hier werden so grundlegende Persönlichkeitsmerkmale angesprochen, dass sie wohl nur von den Eltern vorgelebt werden können.

Gefährliches Halbwissen

Halbwissen ist gefährlicher als Unwissen. Dies trifft beim Thema Wirtschaft in vielen Bereichen zu. Daher ist es wichtig die richtigen Themen zu vermitteln. Und gleichzeitig zu erklären, warum wir vor manchen Dingen besser die Finger lassen. In der Medizin wenden wir uns auch lieber an Profis. Denn eine Fehlbehandlung bei Krankheit könnte ähnlich existenzgefährdend sein wie eine Fehlveranlagung unseres Ersparten. (Leserkommentar, Michael Pfeiffer, derStandard.at, 29.3.2013)

Michael Pfeiffer ist STANDARD-Abonnent und wohnt in Österreich.

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