Alkohol: Dick- oder Schlankmacher?

3. April 2013, 15:01
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Als Diätmittel sind die alkoholischen Getränke nicht geeignet - Die appetitanregende Wirkung von Bier und Wein ist physiologisch nicht erforscht

"Nach einem Glas Weißwein und einem Gin Tonic habe ich den Hunger vergessen", schreibt Gloria von Bronewski in der Märzausgabe des deutschen Magazins "Instyle". Die Autorin beschreibt in dem Artikel ihren Diät-Versuch mit Hilfe alkoholischer Getränke. Auf Facebook wurde über diese Form der "Drinkdiät" heftig diskutiert.

Eine Studie des Brigham and Women's Hospital in Boston, USA - die Autorin bezieht sich darauf - bestätigt das angebliche Phänomen: Frauen, die täglich ein bis zwei Gläser Wein trinken, haben weniger Appetit und nehmen über die Jahre hinweg weniger zu. "Aus meiner Sicht ist das wissenschaftlich bisher nicht sauber untersucht worden. Um das zu bestätigen, wäre ein Doppelblindversuch notwendig", betont Joachim Mössner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Appetitanregende Wirkung

Im Gegensatz zu der Behauptung, dass Alkohol als Diätmittel Vorzüge bietet, wird viel häufiger kolportiert, dass der Genuss alkoholischer Getränke appetitanregend wirkt. Doch auch hier passt der Stoffwechselexperte: "Auch diese Wirkung wurde bislang nicht untersucht."

Dass Alkohol ein Dickmacher sein kann, leugnet Mössner jedoch nicht: "Es hängt von der Konzentration des konsumierten alkoholischen Getränks und dem Lebensstil des Menschen ab." Wird also vorzugsweise Bier oder Wein getrunken, wird in der Tat mehr gegessen als bei völliger Alkoholkarenz - zumindest zeigt das die Erfahrung. Ganz anders beim Genuss hochprozentiger Getränke.

"Die Entgiftung des Organismus nach dem Konsum von Schnaps verbraucht sehr viel Energie", sagt Mössner. Ein gelegentliches Verdauungsschnäpschen wird sich auf das Körpergewicht nicht wesentlich auswirken. Die Leber des chronischen Alkoholikers, der täglich eine Flasche Kornbrand trinkt, hat dagegen eine Menge zu leisten. Er ist darum in aller Regel untergewichtig, nicht zuletzt deshalb, weil ihm der Alkohol als Nahrungsersatz dient.

Beschleunigte Magenentleerung

Warum der Genuss von Bier und Wein hungrig macht, ist physiologisch nicht im Detail erforscht. Mössner: "Was man jedoch weiß: Alkohol beschleunigt die Magenentleerung." Wenn viel und vor allem fett gegessen wird, ist das allerdings nicht der Fall. Hier entsteht genau der gegenteilige Effekt: Die Entleerung des Magens verzögert sich. Der Alkohol emulgiert das Fett und blockiert in der Folge dessen Verbrennung.

So darf zumindest spekuliert werden, dass bei Nahrungskarenz und alleinigem Alkoholkonsum die beschleunigte Magenentleerung der Grund dafür ist, dass der Appetit steigt. Und dass der Genuss von drei Krügeln Bier dem Kaloriengehalt einer vollwertigen Mahlzeit entspricht, führt den Glauben an einen Gewichtsverlust restlos ad absurdum. (Regina Walter, derStandard.at, 3.4.2013)

  • Drei Krügel Bier entsprechen einer vollwertigen Mahlzeit.
    foto: apa/roland schlager

    Drei Krügel Bier entsprechen einer vollwertigen Mahlzeit.

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