15 Jahre Privatradio: 60 Private haben 25 Prozent Marktanteil

28. März 2013, 11:17
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Gemeinsam bringen es die Privaten auf ein Drittel des Marktanteils, den der ORF ausweist

Wien - Die österreichischen Privatradios feiern am Ostermontag ihren 15. Geburtstag. Als am 1. April 1998 15 private Hörfunksender on Air gingen war auch in dem als "Medien-Albanien" verschrienen Österreich das Zeitalter des dualen Rundfunks endlich angebrochen. Heute listet die Rundfunkregulierungsbehörde RTR mehr als 60 private Sender auf, noch immer dominiert aber der ORF den Äther.

Gemeinsam bringen es die 60 Privaten auf ein Drittel des Marktanteils, den der ORF ausweist. Die ORF-Radioflotte kommt laut jüngstem Radiotest aus dem zweiten Halbjahr 2012 auf einen Marktanteil von 74 Prozent, während die Privatsender 24 Prozent verbuchten (der übrige Marktanteil geht auf das Konto der nichtkommerziellen sogenannten freien Radiosender). Nur sehr langsam, aber stetig konnten die Privaten dem Öffentlich-Rechtlichen Hörer abluchsen. Vor zehn Jahren hatten die ORF-Radios noch einen Marktanteil von 80 Prozent, die Privatsender lagen damals bei 17 Prozent.

Schweighofer: Ö3 im Stile eines Privaten

"Privatradio hat sich sehr gut entwickelt", resümierte Klaus Schweighofer, Styria-Vorstand und Präsident des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), jüngst in der Branchenzeitung "medianet". Und das, obwohl man "einen Mitbewerber in staatlichem Eigentum mit sehr hohen Subventionen habe, der sich wie ein 'Privater' benimmt" - gemeint war damit Ö3. Schweighofer kritisiert vor allem "kostenintensive Imagekampagnen" der ORF-Cashcow und "unfaire Bedingungen", da dem ORF durch die Politik zu viele Werbemöglichkeiten eingeräumt würden.

Christian Stögmüller, Geschäftsführer von Life Radio und im VÖP für Radio zuständig, sieht die größten Fehler bei der Etablierung von Privatradio - "nach wie vor in den gesetzlichen Grundlagen". Im "Österreichischen Journalist" kritisierte auch er vor kurzem, dass die nationale Medienpolitik den ORF nicht aus ihrer Umklammerung entlassen habe und nicht für faire Wettbewerbsbedingungen sorge.

Im Nachhinein als "Fehler aus Sicht des Gesamtmarktes" betrachtet Alfred Grinschgl, hier im STANDARD-Interview, einer der Privatradiopioniere und nunmehrige Leiter der RTR, den Frühstart von Antenne Steiermark und des Salzburger Radios Melody. In der Steiermark und in Salzburg konnten Privatradios bereits zwei Jahre früher an den Start, weil es dort zu keiner Beeinspruchung der vergebenen Sendelizenzen kam.

ORF reagierte auf Frühstart

Der ORF hatte so die Möglichkeit, sich in Ruhe auf den nationalen Privatradiostart im Jahr 1998 vorzubereiten und reagierte unter anderem mit kräftigen Korrekturen bei der "Cash-Cow" Ö3 inklusive breiter Marktanalyse, Marketing- und Design-Neuorientierung. Ö3 wurde damals mit Hilfe deutscher Berater zum Formatradio umgebaut. Obwohl die Antenne Steiermark das ORF-Radio Ö3 1995 aus dem Stand überholt hatte, führten diese Maßnahmen dazu, dass die Antenne das Niveau nicht über die Jahre hinweg halten konnte, zeigte sich Grinschgl im "Standard" überzeugt. "Marketing und damit Geld" seien wichtige Faktoren bei der Behauptung am Radiomarkt.

Der flächendeckende Start von Privatradios begann in Österreich im internationalen Vergleich vergleichsweise spät. "Immerhin noch vor Nordkorea und Myanmar", wie der einstige Piratensenderbetreiber und heutige Kronehit-Programmchef Rüdiger Landgraf in seinem Buch "Privatradio in Österreich" süffisant anmerkte. Bevor die ersten legalen Stationen on Air waren, verfügte Österreich über eine rege Piratenszene. In praktisch jedem Bundesland gab es illegale Sender, die regelmäßiges Programm brachten. Für ihr Engagement riskierten die Macher Hausdurchsuchungen und Anzeigen.

Medienpolitische Debatten über die Öffnung des Radiomarktes gab es zwar schon seit Mitte der 80er Jahre, doch Bundesregierung und Gesetzgeber verhielten sich zögerlich bei der Aufweichung des ORF-Monopols. Über Jahre hinweg sind stattdessen die obersten Gerichtshöfe als die gestaltende Kraft für Marktöffnung und duales Rundfunksystem aufgetreten, bis im Mai 1997 endlich das novellierte Regionalradiogesetz in Kraft trat und regionale beziehungsweise lokale Lizenzen durch die damalige Regionalradiobehörde vergeben werden konnten. (APA, 28.3.2013)

Nachlese

Alfred Grinschgl: "Frühstart wahrscheinlich für Radiomarkt ein Fehler" - Mit Grafik: Der ORF doimniert den Mark

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