ÖVAG könnte weitere Staatshilfe brauchen

28. März 2013, 11:54
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Für Bankchef Koren ist die Volksbanken AG de facto eine Abbaubank, die so gut wie ihr gesamtes Eigengeschäft beenden muss

Wien - Die im Frühjahr 2012 mittels Teilverstaatlichung aufgefangene Volksbanken AG (ÖVAG) hat 2012 wieder einen dreistelligen Millionenverlust geschrieben. In der ÖVAG AG (Einzelabschluss) endete das Jahr mit einem Verlust von 131 Mio. Euro. Für faule Kredite mussten im Konzern 367 Mio. Euro rückgestellt werden.

Operativ war die Bank auch im Konzernabschluss (IFRS) rot. Für das laufende Geschäftsjahr 2013 werde ebenfalls ein negatives operatives Konzernergebnis erwartet, berichtete die Bank am Vormittag. Wegen Bilanz-Sondereffekten in hoher dreistelliger Millionenhöhe (unter anderem Effekte des Kapitalschnitts) samt Sonderertrag aus einem 183 Mio. Euro schweren Hybridanleiherückkauf steht in der Konzernbilanz 2012 dennoch ein positives Nettoergebnis von 312,6 Mio. Euro. 2011 hatte es da annähernd Milliardenverlust (minus 959 Mio. Euro) gegeben.

Riesige Abschreibungen

In der AG hatte die ÖVAG für das Jahr 2011 nach damaligen riesigen Abschreibungen auf Ostbanken und Griechenland-Papiere 1,36 Mrd. Euro AG-Verlust aufgehäuft. Um zu überleben, musste ein Kapitalschnitt her, der auch die Steuerzahler hunderte Millionen kostete. Im April war der rettende Staatseinstieg mit frischem Geld und rund 43 Prozent Kapitalanteil besiegelt.

Auf EU-Geheiß muss die ÖVAG dramatisch zurückgefahren werden, bis Ende 2017 gilt ein Ausschüttungsverbot. ÖVAG-Chef Stephan Koren kann nicht ausschließen, dass die Bank einen weiteren Nachschlag an Staatshilfe braucht. Auch sei offen, ob der Staat vom verbliebenen Partizipationskapital am Ende etwas sieht. Die Bank sei eine Abbaubank, de facto eine Abwicklungsbank. "Und ein Abbau ist nichts, was gratis geht. Es gibt keine Garantien, dass wir den Abbau ohne weitere Hilfen schaffen können", sagte Koren. "Sie kommen nicht in den Status einer Abwicklungsbank, wenn nicht einiges schiefgelaufen wäre", so Koren, der seit vorigem Herbst am Ruder ist, bei seiner Jahrespressekonferenz.

Abgebaute Risikopositionen

Die ÖVAG hat voriges Jahr Milliardenrisiken von den Büchern bekommen. Sie hat auch ihren vormaligen Milliardenbestand an Absicherungsinstrumenten (CDS, Credit Default Swaps) deutlich reduziert.  Die CDS-Nettoposition wurde von 1,6 Mrd. Euro auf 0,3 Mrd. Euro abgebaut. Ergebniswirksam sei dies sowohl in der Einzelbilanz (+115 Mio. Euro) als auch in der IFRS-Konzernbilanz (+63 Mio. Euro) des Jahres 2012. Stark zurückgefahren hat die Bank letztes Jahr auch ihre Positionen in riskanten ABS-Papieren (Asset Backed Securities).

Anfang des Jahres 2012 hat die ÖVAG ihre Ostbankentochter VBI (9 Banken) an die russische Sberbank verkauft. In zwei Tranchen wurden danach Assets der früheren Niederlassung in Frankfurt verkauft, die letzte im Dezember. Abgestoßen wurde zudem das Containerleasinggeschäft. Die Bilanzsumme ist mit diesen Schritten gemäß Restrukturierungsauflagen voriges Jahr stark gesunken, nämlich um 13,5 Mrd. Euro auf 27,7 Mrd. Euro. (APA, 28.3.2013)

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