Das Aufziehen fremder Nachkommen muss kein Verlustgeschäft sein

31. März 2013, 11:59
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Im Zweifelsfall selbstlos: Laut Forschern ist dies evolutionär die bessere Strategie

London - Infantizid, also das Töten von Nachkommen der eigenen Spezies, kommt im Tierreich häufig vor. Gründe dafür dürfte es sehr verschiedene geben - von manchen Arten wird angenommen, dass Männchen die Weitergabe ihrer Gene zu Lasten derer von Rivalen fördern. Etwa wenn bei Löwen ein neuer Rudelführer die Kinder seines Vorgängers tötet, wodurch die Weibchen schneller wieder paarungsbereit sind.

Insofern überrascht es, dass bei vielen Arten Kinder akzeptiert und aufgezogen werden, deren Vaterschaft zumindest zweifelhaft ist. Entgegen bisheriger Annahmen sei dies bei vielen Arten, bei denen Weibchen fremdgehen, evolutionär die bessere Strategie, schreiben die Forscher Ashleigh Griffin von der Universität von Oxford, Suzanne Alonzo von der Yale-Universität und Charlie Cornwallis von der Universität Lund im Journal "PLOS Biology".

Metastudie quer durchs Tierreich

Elterliche Fürsorge kann sehr aufwändig sein: Nach Angaben der Wissenschafter ist der Aufwand, den ein typischer Singvogel für die Aufzucht seiner Küken aufbringen muss, vergleichbar mit der Teilnahme eines Menschen bei der Tour de France. Deshalb habe man bisher angenommen, dass es sich für Männchen nicht lohne, sich um fremden Nachwuchs zu kümmern. Das ließ sich in einer Metastudie auf der Basis von 62 Studien jedoch nicht bestätigen. Diese Studien hatten insgesamt fast 50 Tierarten - darunter Fische, Käfer und Vögel - und auch den Menschen untersucht.

Die Forscher konnten zwei Faktoren ausmachen, an denen die Männchen sich zu orientieren scheinen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich um den Nachwuchs kümmern, wächst, wenn die Weibchen ihrer Spezies eher treu sind und die Arbeit mit den Jungen möglichst wenig ihre weiteren Fortpflanzungsanstrengungen beeinträchtigt. Paare sich das Weibchen mit vielen verschiedenen Partnern, sinke das Engagement des Männchens für den Nachwuchs im Schnitt um zwölf Prozent.

Jedoch reicht es den Männchen vieler Arten offenbar, wenn auch nur einer der Faktoren günstig ist. Ist die Fürsorge für den Nachwuchs besonders anstrengend, dann nehmen sie die Arbeit trotzdem auf sich, wenn dafür die Weibchen in der Regel treu sind.

In dubio pro reo

Sei die Elternschaft unklar, dann könnte die Evolution Männchen bevorzugen, die weiterhin für die Jungen sorgen. Damit vermeiden sie es, sich ungewollt nicht um ihren eigenen Nachwuchs zu kümmern, vermuten die Forscher als Ursache des Verhaltens. (APA/red, derStandard.at, 31. 3. 2013)

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