Lohndumping: Sozialfalle Zivildienst

Kommentar27. März 2013, 19:46
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Der Zivildienst für Frauen wäre eine Sozialfalle

Was würde eine Zwanzigjährige beim Bewerbungsgespräch erwarten, wenn sie bis dahin nicht eifrig Praxis in ihrem erlernten Beruf oder Semester an der Uni gesammelt hat - sondern sich gerade für einen Hilfsjob ohne jede Aussichten abrackert? Im besten Fall wohl: Staunen. Im schlechteren Fall: bohrende Fragen nach dem Warum - und dann ein "Wiederschau'n!"

Denn bei allem Respekt für die Zivildiener: Sie sind bloß billige Handlanger im aufreibenden Gesundheitssystem, das Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal mit profunder Ausbildung tagtäglich am Laufen halten - so sah es der Staat vor und so hat es das Wahlvolk einzementiert, seit es sich für den Erhalt der Wehrpflicht und damit auch den Wehr-Ersatzdienst für junge Männer ausgesprochen hat.

Geschlossen warnen die Genossen jetzt davor, künftig weibliche Zivis anzuwerben - und das zu Recht. Gerade junge Frauen, oft zwischen Karriereanforderungen, Kindern, Küche aufgerieben, sollten sich besser darauf konzentrieren, beruflich auf Vordermann zu kommen, anstatt sich von Vater Staat für anstrengende Arbeit mit einem Hungerlohn abspeisen zu lassen - und so womöglich auch noch dabei zu mithelfen, das Entgelt für versierte Kräfte zu nivellieren. So was nennt man Sozialfalle statt Selbstbestimmung. Die Burschen müssen ja trotz alledem - sorry guys! - immer noch ran, aber als Mädel kann man getrost auf das verzichten - ohne gleich ein Unmensch zu sein. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 28.3.2013)

Kontra

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