Eine Frau an der Spitze einer Männer-Firma

27. März 2013, 18:55
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Mit Julia Pierson leitet erstmals eine Frau die Leibgarde des US-Präsidenten

Die Männer des Secret Service sind da, um den US-Präsidenten zu schützen, koste es, was es wolle. Cool. Tough. Und daher hat ihnen Hollywood schon zuhauf filmische Denkmäler gesetzt: wortkarge Männer mit harten, kantigen Gesichtszügen, komplett durchtrainiert. Keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Drogen. Die Augen stets verborgen hinter dunklen Sonnenbrillen, nur ja keine Regung, nur ja keine Ablenkung. Kurzum: Männer, die in aller Regel an Clint Eastwood erinnern.

Das Klischee stimmt - wie so oft - natürlich nicht. Vor nicht einmal einem Jahr beschädigten die Burschen vom Secret Service ihr eigenes Image nachhaltig: Bei der Vorbereitung eines Besuches von US-Präsident Barack Obama in Kolumbien feierten sie im Hotel wilde Partys, auch Prostituierte waren mit im Spiel.

Für die Sünden seiner Männer musste nun Secret-Service-Direktor Mark Sullivan büßen: Er wurde gezwungen, den Job an seine Stabschefin Julia Pierson abzutreten. Obama, ihr oberster Chef, pries sie am Dienstag als eine, die "den Geist und die Hingabe lebt, die die Männer und Frauen des Secret Service jeden Tag zeigen".

Secret Service - das hat nichts mit Geheimdienst zu tun. Die Behörde gibt es bereits seit 1865, dem letzten Jahr des amerikanischen Bürgerkriegs. Gegründet als Ableger des Finanzministeriums, konzentrierte sich der Dienst zunächst darauf, Geldfälschern das Handwerk zu legen.

Erst nach dem Mord an William McKinley im Jahre 1901 erhielten die Agenten den gesetzlichen Auftrag, das Leben des US-Präsidenten zu schützen. Seit 2003 ist der Secret Service formell dem Department of Homeland Security unterstellt.

Dass es ein typischer Männerberuf ist, ist auch ein Klischee, aber dieses stimmt: Gerade einmal ein Zehntel der 4000 Beamten sind Frauen, wobei die erste erst 1970 aufgenommen wurde. Umso lauter dröhnt nun in den 150 Büros der Behörde der Paukenschlag mit der Ernennung Piersons zur Chefin. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 28.3.2013)

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    Trotz Sonnenbrille nicht mit FBI oder CIA zu verwechseln: Der Secret Service sorgt für die Sicherheit des US-Präsidenten.

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