Spielend an die Gruppenspitze

27. März 2013, 18:30
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Das Balgen von Jungmurmeltieren dient einem höheren Zweck - 27.000 Interaktionen für Langzeitstudie dokumentiert

London/Wien - Man kennt das Verhalten von allen möglichen Säugetierarten: Jungtiere balgen sich und schienen einen rechten Spaß dabei zu haben. Das Verhalten scheint planlos und unnütz, zudem kostet es Zeit und Energie. Für Evolutionsbiologen bedeutet das nichts anderes, als dass die Spielereien irgendeine Funktion haben müssen.

Einer Theorie zufolge dient das soziale Spielen dazu, die spätere Rangfolge in einer Population vorab zu bestimmen. Gut belegt ist diese Theorie aber bisher nicht. Doch sie erhält nun eine Unterstützung auf breiter empirischer Basis: US-Forscher werteten für ihre Untersuchung umfangreiches Datenmaterial einer Gelbbauchmurmeltierpopulation aus, die in der Nähe des Rocky Mountain Biological Laboratory (US-Bundesstaat Colorado) lebt.

Seit elf Jahren nehmen die Forscher um Daniel Blumstein von der University of California in Los Angeles (UCLA) im Speziellen das Spielverhalten der Jungtiere gezielt unter die Lupe. In ihrer jüngsten Studie, sie in den "Proceedings B" der Royal Society veröffentlichten, dokumentieren sie auf Basis von insgesamt 27.000 Interaktionen einen eindeutigen Zusammenhang: Jungtiere, die in den ersten beiden Lebensjahren häufig als Sieger aus den spielerischen Kräftemessen hervorgehen, haben danach auch später einen höheren Rang in der Gruppe.

Das ist insofern von Belang, als bei Tieren einzelnes Männchen mit einem Harem aus verwandten Weibchen zusammen lebt und der Bau gegenüber Artgenossen recht aggressiv verteidigt wird. Der Vorteil der spielerischen Methode: Würden die Jungtiere in aller Ernsthaftigkeit kämpfen, dann könnten solche Auseinandersetzungen Verletzungen oder sogar den Tod zur Folge haben. Und das wäre aus evolutionärer SIcht doch recht kontraproduktiv. (tasch/DER STANDARD, 28. 3. 2013)

 

  • Und immer balgt das Jungmurmeltier: Jene Nachwuchskräfte, die in den ersten zwei Jahren beim Spielen gewinnen, sind später oft die Chefs.
    foto: ben husley

    Und immer balgt das Jungmurmeltier: Jene Nachwuchskräfte, die in den ersten zwei Jahren beim Spielen gewinnen, sind später oft die Chefs.

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