Boni-Debatte: Messi gegen Treichl

Kommentar der anderen27. März 2013, 19:11
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Anmerkungen zu Bernhard Görg

Betrifft: "Kommentar der anderen" des ehemaligen IBM-Managers und Wiener ÖVP-Obmanns Bernhard Görg über Untiefen der Diskussion um die Begrenzung von Top-Gehältern für Manager ("Was gierige Banker von Toten Hosen unterscheidet", DER STANDARD, 23. März)

Ein deutscher Kabarettist stellte seinem Publikum unlängst die treffliche Frage, welche "Leistungsträger" sie - eine seltsame tödliche Epidemie angenommen - eher vermissen würden: Investmentbanker, Aktienanalysten, Unternehmensberater, Bankdirektoren, allesamt "Verantwortungsträger", oder Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Kinderärzte, Polizisten und Hebammen. 90 Prozent der österreichischen Bevölkerung würden eine klare Antwort geben, sie kennen die wahren - minder bezahlten - Verantwortungsträger. Ist ein Tagesgehalt von rund 10.000 Euro für den Chef der Erste Bank durch dessen Fleiß und überbordende Intelligenz zu rechtfertigen?

Im Übrigen ist die durchschnittliche Verweildauer großer Manager in den Betrieben so kurz, dass sie die Ergebnisse der von ihnen getroffenen Entscheidungen selten verantworten müssen. 2006 hatte der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG in Deutschland (Klaus Christian Kleinfeld) den Verlust von 3000 Arbeitsplätzen zu "verantworten". 2008 schon woanders angeheuert, nahm er rund acht Millionen Euro im Jahr ein.

"Die Grenzen zwischen Gerechtigkeits- und Neiddebatte verschwimmen ja immer", schreibt Görg. Was soll das heißen? Es gibt keine "Neiddebatte". Wer debattiert über Neid? Dieses Vokabel ist eine Erfindung eines ÖVP-nahen Thinktanks (auch eine eher euphemistischer Bezeichnung). Damit wird versucht, Gerechtigkeitsdebatten zu desavouieren.

Zuletzt sei festgehalten, dass in Frankreich und Spanien eine heftige Debatte auch über die Wahnsinnsgehälter von einigen Schauspielern und Fußballern geführt wird, denn es ist tatsächlich nicht einzusehen, warum jemand für eine Stunde Fußballspiel eine Million Euro einstreichen soll. Als aber Herr Treichl einmal in einem "ZiB 2"-Interview über hohe Gehälter Herrn Messi ins Spiel brachte, dachte ich mir: Wie viel Entzücken, Freude und absolute Hochstimmung hat mir und vielen Millionen Menschen der Zauberfußballer Messi schon verschafft. Ob Herrn Treichl je ein Äquivalent glücken wird?

Das macht den von Herrn Görg nicht begriffenen Unterschied, warum viele Menschen das ungerecht hohe Einkommen von Messi tolerieren, jenes von Herrn Treichl aber eben nicht.

Georg Herrnstadt, Komponist, Regisseur und Organisationsberater in Wien

 

Die Frage, was gierige Banker von Toten Hosen unterscheidet, ist leicht zu beantworten: Ein David Alaba oder die Toten Hosen arbeiten auf eigenes Risiko und werden nicht einmal bei unverschuldetem Versagen vom Steuerzahler, Aktionär usw. gerettet oder auch nur einfach weiterbezahlt.

An dem Tag, an dem ihre Leistung nicht mehr stimmt, sind sie draußen, ohne Golden Handshake, ohne Bonus usw. Voilà.

Mag. Afra Margaretha, 1050 Wien

 

Bezeichnend, dass ein Personalist wie Görg die Ansicht vertritt, dass für die Karriere nur ein durchschnittlicher Charakter nötig sei. Genau eine solche Personalauswahl ist mit ein zentrales Problem der Krise, die wir gegenwärtig durchleben.

Gerhard Rieder, Klagenfurt

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