Blind und taub aus gutem Grund

27. März 2013, 18:20
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Foscher machten Hörtests mit Höhlenfischen und stellten fest: Die Tiere passen sich mit ihrer Gehörschwäche ihrer Umgebung an

London/Wien - Tiere, die in ständiger Dunkelheit leben, stehen vor relativ großen Herausforderungen: Sie müssen trotzdem ihre Nahrung finden, Feinden ausweichen und ihre Partner erkennen. Von Meeresbewohnern ist bekannt, dass der Hörsinn viele dieser Aufgaben übernimmt, da auch leise Geräusche im Wasser über weite Entfernungen transportiert werden.

Aus diesem Grund sollten Höhlenfische, die in ewiger Nacht leben, theoretisch über ein besonders feines Gehör verfügen - was bisher aber noch nicht untersucht wurde. Das haben nun US-Biologen um Matthew Niemiller (Yale University) und Kollegen nachgeholt, die für ihre Studie im Fachjournal Biology Letters drei eng miteinander verwandte Arten aus der Familie der Nordamerikanischen Blindfische untersuchten. Eine davon lebt in oberirdischen Gewässern, die beiden anderen - Typhlichthys subterraneus und Amblyopsis spelaea - sind Höhlenbewohner.

Um das Gehör der drei Arten zu testen, setzten die Forscher die Fische einzeln in ein Becken und spielten ihnen Töne in Frequenzen zwischen 0,1 und zwei Kilohertz vor, zuerst leise und dann immer lauter. Elektroden am Kopf der Fische registrierten, ob diese Töne vom Gehirn wahrgenommen wurden. Zusätzlich untersuchten sie bei jeder Fischart, wie dicht die Haarzellen angeordnet waren, die Hauptsensoren des Gehörs.

Das Ergebnis: Alle drei Fische hörten im tiefen Frequenzbereich recht gut, in den höheren Lagen aber zeigten sich klare Unterschiede. Die beiden Höhlenarten waren für Töne oberhalb von rund 800 Hertz stocktaub und hatten deutlich geringere Haarzellendichten. Die Erklärung der Forscher: Die Höhlenfische dürften höhere Frequenzen deshalb nicht mehr hören, weil diese vor allem durch die von der Höhlendecke fallenden Tropfen erzeugt werden - ein lautes Hintergrundgeräusch, das durch die teilweise Taubheit weggefiltert wird. (tasch, DER STANDARD, 28.3.2013)

  • Sieht nichts und hört wenig: Typhlichthys subterraneus.
    foto: soares et al.

    Sieht nichts und hört wenig: Typhlichthys subterraneus.

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