Harte Limits sollen Zyperns Bankensturm bremsen

28. März 2013, 06:25
211 Postings

Die zypriotischen Banken sperren heute um 12 Uhr Ortszeit wieder auf. Pro Person und Konto dürfen täglich maximal 300 Euro abgehoben werden

Das Versteckspiel vor Markt und Kunden ist vorbei. "Es muss sein", sagte Christos Stylianidis, der Sprecher der Regierung in Nikosia. Nach zwölf Tagen Zwangspause sollen die Banken heute, Donnerstag, wieder aufsperren: um 9 Uhr für die Angestellten und um 12 Uhr (Ortszeit) für das Volk. Polizei und private Sicherheitsdienste sind abgestellt, um chaotische Szenen vor Eingangstüren und Schaltern zu verhindern.

Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf. Bis 18.00 Uhr könnten die Kunden Geld vom Konto abheben - allerdings mit gravierenden Einschränkungen, wie die Zentralbank Zyperns und das Finanzministerium in Nikosia mitteilten: Pro Person und Konto sollen die Zyprioten maximal 300 Euro pro Tag abheben dürfen - weniger als zunächst angenommen. Dies sei Teil der Kapitalkontrollen, so die Notenbank am Mittwoch. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt. Damit sollen alle Angestellten ihre Gehälter erhalten.

Zudem sollen Einschränkungen des Zahlungsverkehrs den Abfluss von Kapital nach einer Öffnung der Banken verhindern. Der Beschluss der Zentralbank sieht Grenzen für Auslandsüberweisungen sowie Auflagen für Immobilienverkäufe und für die Abwicklung von Exportgeschäften vor. Wie lange die Beschränkungen gelten sollen, wurde nicht mitgeteilt.

Öffnung von Problem-Großbanken fraglich

Ob auch die zwei Problem-Großbanken Laiki und Bank of Cyprus (BOC) erstmals seit der Generalschließung am 16. März aufmachen, war am Mittwochabend allerdings fraglich. Kleinere zypriotische Geldhäuser wie Hellenic und Coop sowie ausländische Institute hätten bereits am Dienstag öffnen sollen.

Ein Teil der Kunden mag die aufgelaufenen Geldüberweisungen über Internet durchführen. Erwartet wird aber, dass viele Menschen versuchen, am Bankschalter so viel Bargeld wie möglich von ihren Konten abzuheben. Kapitalkontrollen, die sieben Banktage in Kraft bleiben könnten, würden das Problem der Kapitalflucht nur aufschieben, betonten Bankenexperten.

Milliarden in Containern

Die Zentralbank hat sich jedenfalls gerüstet. Sie ließ sich von der EZB in vier Containern fünf Milliarden Euro anliefern, erfuhr der STANDARD. Laut unbestätigten Angaben von Mittwochabend dürfen Kunden maximal 3.000 Euro Bargeld ins Ausland nehmen. Andere Quellen sprachen Donnerstagfrüh von 1.000 Euro pro Reise. Im Ausland sollen Personen mit Kreditkarten zypriotischer Banken im Monat höchstens 5.000 Euro ausgeben dürfen.

Für Beträge bis zu 200.000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden. Dies soll verhindern, dass Kapital in großem Umfang aus Zypern abgezogen wird.

Eine missverständliche Erklärung der Zentralbank über die Restrukturierung der BOC hatte eine Protestaktion von Bankangestellten ausgelöst. Der Finanzminister musste herbeieilen und die BOC-Mitarbeiter beruhigen, die in die Zentralbank eingedrungen waren. Der Vorfall zeigte einmal mehr die Spannungen zwischen Regierung und Zentralbankchef Panikos Demetriadis, dem Fehleinschätzungen und Ungeschicklichkeiten vorgehalten werden. Sein Rücktritt scheint absehbar.

Ungesicherte Einlagen verloren

Die ungesicherten Einlagen über 100.000 Euro bei der Laiki (Popular) Bank werden mit 3,2 Milliarden Euro beziffert und bei der mit der Troika vereinbarten Zerschlagung der Bank weitgehend verloren gehen. Nur 20 Prozent der Einlagesummen würden wohl zurückgegeben, sagte Finanzminister Michalis Sarris. Vermögen unter 100.000 Euro bei Laiki kommen zur neu strukturierten BOC. Dort sollen etwa acht Milliarden Euro an ungesicherten Einlagen über 100.000 Euro liegen.

Inhaber dieser Konten müssen mit einem Zwangstausch gegen Anteilscheine der neuen BOC in Höhe von 40 Prozent rechnen. Zypern soll so die 5,8 Mrd. Euro aufbringen, die die Troika als Eigenleistung für die Gewährung des Rettungskredits von zehn Milliarden Euro verlangt.

Rettung mit dem Hackbeil

Im Gespräch mit dem Standard kritisierte Arbeits- und Sozialminister Haris Georgiadis die Zypern aufgezwungenen Einschnitte im Bankensektor und die Verluste für Anleger als kurzsichtig und verhängnisvoll: "Es ist wie wenn jemand Übergewicht hat, und statt strikter Diät und Gymnastik zu folgen, hackt man das überschüssige Gewicht vom Körper. Das kann verheerend sein. Und es wird auch ernste negative Folgen für die reale Wirtschaft haben."Ausnahmen brauchen auch die Vermögen der privaten Rentenfonds: 600 Millionen Euro liegen bei Laiki, 820 Millionen bei BOC.  (Markus Bernath, DER STANDARD/APA/red, 28.3.2013)

Share if you care.