Mario Monti in Italien: Die Sympathien verspielt

Kommentar27. März 2013, 17:52
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Der bisherige Regierungschef Mario Monti ist in Italien immer unbeliebter

Eineinhalb Jahre nach seinem Regierungsantritt gehört der als Retter Italiens gefeierte Ökonom Mario Monti in seinem Land schon längst zu den umstrittensten Persönlichkeiten: Viele werfen ihm vor, das Land kaputtgespart zu haben. Der Einstieg des vormals Unabhängigen in die Niederungen der Parteipolitik wurde von den meisten Italienern missbilligt. Seine Kleinpartei verharrt bei Umfragen im Tiefflug und wird von internen Fehden geplagt. Monti selbst bekommt immer wieder Vorwürfe zu hören, er denke nur an den eigenen Vorteil.

Nun wird auch die Regierung des noch amtierenden Premiers erschüttert: Außenminister Giulio Terzi kündigte im Parlament seinen Rücktritt an - ohne vorher den Regierungschef informiert zu haben. Das peinliche Missmanagement der Krise um die in Indien wegen Mordverdachts verhafteten italienischen Marinesoldaten hat den letzten Rest von Montis Ansehen ruiniert. Das Rechtsbündnis fordert nun sogar seinen Rücktritt als Senator auf Lebenszeit.

Dennoch könnte Monti in einer möglichen Regierung unter Pier Luigi Bersani Außenminister werden. Was auf den ersten Blick absurd anmutet, wäre keine schlechte Lösung: Innenpolitisch hat der zur Selbstgefälligkeit neigende Ökonom seine Sympathien längst verspielt. Im Ausland genießt der ehemalige EU-Kommissar aber noch immer beträchtliches Ansehen. Und außerdem rechnet man ihm immer noch hoch an, in Italiens tiefster Krise Silvio Berlusconi als Premierminister abgelöst zu haben. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 28.3.2013)

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