Graz braucht 60.000 neue Wohnungen bis 2030

27. März 2013, 18:02
  • Graz braucht wegen des starken Zuzugs neuen Wohnraum. Das zu geringe Angebot an sozialem Wohnbau mache Wohnen auch für den Mittelstand zunehmend nicht mehr leistbar, sagt Landesrat Seitinger.
    foto: apa/techt

    Graz braucht wegen des starken Zuzugs neuen Wohnraum. Das zu geringe Angebot an sozialem Wohnbau mache Wohnen auch für den Mittelstand zunehmend nicht mehr leistbar, sagt Landesrat Seitinger.

VP-Landesrat Seitinger bastelt an Bauprogramm, will deregulieren und hofft auf Geldspritze aus Pensionskassen - Widmung für geförderten Wohnbau überlegt

Der steirische Wohnbau-Landesrat Johann Seitinger (ÖVP) hat sich in die von seiner Partei ausgerufene "große Wohnbau-Initiative" eingeschaltet. Er kann dem Vorschlag von ÖVP-Obmann Vizekanzler Michael Spindelegger, über Pensions- und Vorsorgekassen frisches Geld für den Wohnbau bereitzustellen, viel abgewinnen, ist für die Verankerung der Zweckbindung der Wohnbauförderung und will zu Landesdarlehen anstelle von Annuitätenzuschüssen zurück, wie er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Graz sagte.

Forderungsverkauf als "Sünde"

Der Verkauf von aushaftenden Forderungen aus der Wohnbauförderung sei eine Sünde der Vergangenheit gewesen, so Seitinger. Dies habe dazu geführt, dass man heute bei einem Volumen von 400 Millionen Euro fast 340 Millionen Euro nur zur Bedienung von Verbindlichkeiten benötige. Beobachter kritisieren seit Langem, dass es in manchen Bundesländern, und eben auch in der Steiermark, selbst bei einer Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung anfangs kaum mehr Geld für den Neubau gegen würde, weil es einige Zeit dauere, bis ein Darlehens-Rückfluss-Modell greift.

Ein Dorn im Auge ist ihm auch die "Wohnbeihilfe neu" aus der Ära von Soziallandesrat Kurt Flecker (SPÖ), bei der eine weitere Korrektur angebracht sei. "Das war ein großer strategischer Fehler, der uns die Hälfte der freien Mittel für neuen geförderten Wohnbau gekostet hat." (UPDATE: Diese Aussage sorgte einen Tag später für eine heftige Reaktion der SPÖ).

"Dachstuhl brennt"

Für Seitinger "brennt" deshalb bereits "der Dachstuhl": Bis 2030 werde im Raum Graz neuer Wohnraum für 60.000 Menschen benötigt. Das zu geringe Angebot an sozialem Wohnbau heize den Markt zusätzlich an und mache Wohnen auch für den Mittelstand zunehmend nicht mehr leistbar. Derzeit würden 1.400 Sozialwohnungen im Geschoßwohnbau errichtet, noch einmal so viel saniert.

"Die Fenstern öffnen" will der Landesrat vor allem durch ein vereinfachtes Wohnbauprogramm mit Sonderprogrammen für junge, ältere bzw. bedürftige Menschen, aber auch durch Nachverdichten im Ballungsraum sowie durch ein Entschlacken von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien. Die Überregulierung sei nämlich für den im Zehn-Jahres-Schritt um 78 Prozent gestiegenen Baukostenindex mitverantwortlich: "Der soziale Wohnbau darf sich nicht an einem Mercedes orientieren, sondern an einem soliden VW." Um die Spekulation einzudämmen, kann sich Seitinger auch eine klare Widmung für den geförderten Wohnbau vorstellen. (APA/red, derStandard.at, 27.3.2013)

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6 Postings
Irgendwas stimmt da nicht im Artikel

Sind es nun 60.000 Wohnungen oder Wohnungen für 60.000 zusätzliche Menschen? In Graz oder im Raum Graz. 60.000 WE alleine in Graz scheint mir bei einem geschätzten Wohnungsbestand von 150.000 etwas viel. In Wien schafft man in 10 Jahren vielleicht 60.000-70.000, in Graz wohl kaum das Selbe in 18 Jahren...

Tja, wenn man die Mieten auf ein Dumpingniveau gedrückt hat will halt niemand bauen. Hätte man freie Marktmieten würde automatisch gebaut werden wenn mehr Wohnungen gebraucht werden - weil es lukrativ wäre. SSKM.

dumpingniveau?
graz ist wirklich keine billige stadt zum wohnen.

hahaha freier markt hahaha ... wer glaubt den noch immer an dieses märchen ...

und dass er funktionieren würde auch noch ...

jaaaaaaaaa

das hat ja geschichtlich immer so gut funktioniert, v.a. weil bei Immobilien ja soooo suoer Marktbedingungen gegeben sind :kopfklopf:

Ja, die Schwarzen können wirklich was.
Besonders sich an den Sozialtöpfen bedienen.
Ende der der Kompetenz.
Aber das ist ja eh nichts Neues.

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