Neue Chefin des Secret Service: Julia Pierson

27. März 2013, 18:52
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Geheimhaltung und Diskretion als Lebensaufgabe - Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Dienstes, der den Präsidenten schützen soll

Einmal sorgte Julia Pierson für Heiterkeit - zumindest war es das einzige Mal, dass etwas Amüsantes aus dem sonst hochgeheimen Privatleben der Leibwächterin durchsickerte: Im Auftrag des Secret Service reiste sie nach Orlando, um einen Besuch von George Bush Sr. vorzubereiten, um die Route der Präsidentenkolonne gründlich - und vielleicht auch ein wenig paranoid - darauf abzuklopfen, wo überall Gefahr lauern könnte.

Damals, vor zwanzig Jahren, erzählte sie Disneyland-Boss Michael Eisner, wie sie als Jugendliche ihr Taschengeld aufbesserte, indem sie in Walt-Disney-Kostüme schlüpfte. Eisner erzählte es weiter - und das ist auch schon alles, was an kleinen Anekdoten über Pierson kursiert. Die Frau liebt Geheimhaltung, so war vorerst nicht einmal ihr Jahrgang (1959 oder 1960) zu erfahren. Ihre personifizierte Diskretion ist die beste Empfehlung, um Chefin des Secret Service zu werden, die erste Direktorin überhaupt in der Geschichte der Elitetruppe.

Piersons Aufstieg in dieser so von Männern dominierten Behörde hat mit jener Affäre um ausgelassene Partys zu tun, bei denen einige Bodyguards bei der Vorbereitung des Amerika-Gipfels im kolumbianischen Cartagena im April 2012 den Bogen überspannten und Prostituierte mit aufs Hotelzimmer nahmen. Die Sache wurde publik und verärgerte nicht nur die Kongressabgeordneten in Washington.

Kritik verstummen lassen

Vor diesem Hintergrund kann man verstehen, was Barack Obama mit Piersons Ernennung nun bezweckt: Sie soll die Spezialeinheit aus den Schlagzeilen fernhalten. Außerdem soll die Beförderung die Kritik an seiner Personalpolitik verstummen lassen: Alle Schlüsselposten seines Kabinetts hat Obama bisher nämlich mit Männern besetzt - für manche Wählerin eine herbe Enttäuschung, nachdem Hillary Clinton vier Jahre lang Außenministerin war.

Pierson fing 1983 in Miami beim Secret Service an. Zuvor patrouillierte sie durch die Straßen ihrer Heimatstadt Orlando. Polizisten beschreiben sie als talentiert, eine spannungsgeladene Situation mit besonnenen Worten zu entschärfen.

Von 1988 bis 1992 diente sie als Personenschützerin im Weißen Haus, danach koordinierte sie die Drogenfahndung ihrer Behörde und leitete eine Taskforce zum Kampf gegen Cyber-Kriminelle. Vor fünf Jahren wurde sie zur Stabschefin Mark Sullivans befördert - jenes Secret-Service-Direktors, der nun mit seinem Rücktritt für die Orgie von Cartagena bezahlen musste. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 28.3.2013)

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    Julia Pierson ist nun Barack Obamas oberste Beschützerin.

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