Downsyndrom: Neun von zehn entscheiden sich gegen Baby

  • Ein Ort, an den sich Eltern eines Kinds mit Trisomie 21 wenden können, ist die Downsyndrom-Ambulanz in der Wiener Rudolfstiftung.
    foto: ap/dapd/duty

    Ein Ort, an den sich Eltern eines Kinds mit Trisomie 21 wenden können, ist die Downsyndrom-Ambulanz in der Wiener Rudolfstiftung.

Mediziner Peter Husslein sieht untere Grenze der Geburtenzahl von Kindern mit Trisomie 21 erreicht

Wien - Rund 90 Prozent der Eltern Ungeborener, bei denen die Genommutation Trisomie 21 diagnostiziert wurde, entscheiden sich laut Peter Husslein, dem Leiter der Wiener Uni-Frauenklinik und des Instituts Fetomed, für einen Schwangerschaftsabbruch. In seiner Abteilung am AKH sei im Vorjahr in 24 Fällen diese Diagnose gestellt worden. Im gleichen Zeitraum habe es nur zwei Geburten von Babys damit gegeben.

Dass die Zahl der Geburten von Kindern mit Trisomie 21 noch weiter sinkt, glaubt Husslein nicht. Verbesserungen bei pränatalen Untersuchungen werden Husslein zufolge vielschichtigere Diagnosen betreffen, bezüglich Downsyndrom seien schon jetzt sichere Aussagen möglich. Diese zusätzlichen Informationen über den Zustand eines Ungeborenen sollen dann Tests am Blut der werdenden Mutter bringen, die ab der zehnten Schwangerschaftswoche möglich sein sollen. "Die begleitende Beratung muss aber gleichzeitig zunehmen und besser werden", sagt Husslein.

Downsyndrom-Ambulanz bietet Beratung

Ein Ort, an den sich Eltern eines Kinds mit Trisomie 21 wenden können, ist die Downsyndrom-Ambulanz in der Wiener Rudolfstiftung, wo Mediziner, Psychologen und Sozialarbeiter tätig sind. Die erste Frage werdender Eltern sei oft, ob doch noch die Chance bestehe, dass ihr Kind gesund sei, sagt Sozialarbeiterin Ingrid Teufel. Ist dies geklärt und das Kind hat das Downsyndrom, gehe es um mögliche weitere Beeinträchtigungen, Fragen des Lebens mit einem Baby und Kind mit Downsyndrom und Fragen, die eigene Berufstätigkeit betreffend.

"Wir versuchen, ein objektives Bild zu liefern, wie das Leben mit dem Kind aussehen kann, wo Unterstützung möglich ist, aber auch, wo Eltern mit Kämpfen rechnen müssen", sagt Teufel. Ein Mensch mit Downsyndrom könne in manchen Bereichen ganz selbstständig werden, in anderen ein Leben lang Hilfe brauchen.

Behindertenanwalt kritisiert längere Frist

Behindertenanwalt Erwin Buchinger sieht kritisch, dass ein Schwangerschaftsabbruch wegen der Behinderung eines Ungeborenen "bis kurz vor der Geburt möglich ist. Das ist eine offensichtliche Form der Diskriminierung behinderten Lebens." (spri, DER STANDARD, 28.3.2013)

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O

Was man bei dieser Statistik bedenken muss: Viele werdende Eltern machen den Test gar nicht, weil sie wissen, dass sie das Kind auf jeden Fall behalten würden.

Ich möchte auf jeden Fall nicht in der Situation sein, diese Entscheidung treffen zu müssen. Vor allem weiß man ja auch nie zu 100%, ob es vielleicht doch ein gesundes Kind ist.

Diskriminierung behinderten Lebens??
Mit was haben Eltern es sich verdient sich das ganze Leben verbauen zu lassen? Welche Lebensqualität hat das Kind, und die Eltern?
Man wünscht bestimmt keinen vor so einer Entscheidung zu stehen, aber ein Abbruch kann da nur das einzig Sinnvolle sein, sollte das Kind keine Chance auf ein normales Leben haben! Klingt hart, ist aber so und bevor man auch nur daran denkt ein Kind zu zeugen sollte man auch diese Fragen mit dem Partner klären.

"Diskriminierung behinderten Lebens"
"Welche Lebensqualität hat das Kind?"
-> Erklären Sie es da gerade für "unwertes Leben"? Das hatten wir doch schon mal vor ein paar Jahrzehnten.

Die Frage der Lebensqualität der Eltern ist bedeutend, hat aber mit der Frage, ob ein "Schwangerschaftsabbruch" (Kurz vor der Geburt trifft es "Kindstötung" eigentlich besser; die Methoden sind ähnlich wie bei einer Hinrichtung) eine Diskriminierung des behinderten Lebens ist, eigentlich gar nichts zu tun. Das ist es nämlich offensichtlich.

Vielleicht sollte sich eine humanistischer Staat andere Lösungen überlegen, zum Beispiel: Den Eltern auf Wunsch die Versorgung des Kindes abzunehmen. Oder ist umbringen die einzig denkbare Lösung?

Den Unterschied, einen lebenden Menschen zu töten, oder eine befruchtete Eizelle wegzuwerfen, sehen Sie schon, oder?

Ein Mensch hat das Recht auf Leben. Eine befruchtete Eizelle ist aber kein Mensch. Egal was Ihnen die katholische Kirche weismachen will.

Es spricht rein gar nichts dagegen, Eizellen auszusortieren, die krank oder mißgebildet sind, denn dadurch wird Leid verhindert, ohne jemandem zu schaden.

"Wie kommt es dass es, wenn es um Menschen geht, Abtreibung genannt wird, aber wenns um Hühner geht, Omelett?" (George Carlin)

Dass das Gesetz eine Grenze ziehen muss und dass hier legitime Interessen der Eltern vorhanden sind, ist klar. So ohne moralische Implikation wie Sie sagen ist die Frage, die Buchinger aufwarf, aber nicht.

Abtreibung statt Geburt schonender. Das ist dann wiederum ein Interesse, das bei Wahl der Eltern und insb der Mutter in die Richtung zu akzeptieren ist. Schwierig ist es allemal, dass eine Mutter ausschließlich bei einem Kind mit Behinderung einen (fiktiven) Tag vor der realen Geburt sagen kann, sie will es nicht auf die Welt bringen.Bei einem anscheinend gesunden Kind könnte sie das nicht. Auch bei einem behinderten Kind, das zB kurz vor dem (fiktiven) Abtreibungstermin natürlich zu früh auf die Welt kommt, darf bei gleichem Entwicklungsstand natürlich nicht mehr von Ärzten oder Eltern über Leben oder Tod entschieden werden (außer in den ohnehin für allen geltenden Spielräumen der Verweigerung von lebensverlängernder Behandlung).

Buchinger hat aber dezidiert nicht vom Abbruch in der 12-Wochen-Frist gesprochen, sondern bis kurz vor der Geburt.

Kurz vor der regulären Geburt ist das behinderte Kind - abgesehen von der Schwere der Behinderung, die vielleicht ohnehin ein Leben an Maschinen nötig macht - schon selbständig lebensfähig.

Ich denke, dass die Interessen der Eltern am Schwersten wiegen müssen. Sie schenken Leben, sie müssten ihr Leben den Bedürfnissen des Kindes unterordnen. Dass es moralisch aber wirklich schwierig ist, dass ein Kind kurz vor der Geburt - die es rechtlich erst zum Menschen mit vollen Rechten macht - getötet anstatt geboren wird (und ggf an Maschinen angehängt und vom Staat versorgt wird, sollten die Eltern das Kind ablehnen), ist ein Punkt, der sich schwer als moralisch einwandfrei darstellen lässt. Für die Gesundheit der Mutter ist möglicherweise eine

Alle diejenigen, die meinen, dass es so super sei, ein behindertes Kind aufzuziehen sei folgende Frage gestellt:

wenn das alles so angenehm und "klass" ist, warum hat dann niemand von euch ein solches Kind adoptiert?

Sann ma vielleicht a bisserl verlogen?

Arroganz

Wem steht es zu, über eine Frau, die abtreibt, zu urteilen? Die Motive sind: Armut, Einsamkeit, im Stich gelassen werden, Angst (welcher Zukunft geht das Kind entgegen)...ganz sicher nicht Gleichgültigkeit, nationalsozialistisches Denken oder sonstiger Schwachsinn. Wie ist es mit Opfern von Vergewaltigungen? Muß man das Kind so eines Mannes zur Welt bringen? Laßt dieses Gesetz so wie es ist, denn mit seinem Gewissen und der Erfahrung, was eine Abtreibung bedeutet, muß jede Frau selbst fertig werden. Es bedarf keiner männlicher Arroganz, sich hier einzumischen.

hm

die nähe der abbruchbefürworter und der nationalsozialistischen ideologie in dieser sache - da wird einem schon mulmig zumute.

die nähe von fehlender bildung und fehlender meinung ist jedenfalls leicht nachvollziehbar.

Selektion

Es ist erschuetternd oben stehenden Artikel zu lesen und sich gleichzeitig zu fragen wie so etwas weitergehen soll. In einer Gesellschaft in der es nur noch zaehlt gesund, fit und leistungsorientiert zu sein und in der Maengel und Fehler nicht erwuenscht sind will man eigentlich nicht leben. Warum sollen wir von Versicherungen und Menschen wie Herrn Husslein unser Leben diktiert bekommen.
Heute ist es Downsyndrom, morgen dann die Anlage zur Multiplen Sklerose uebermorgen Farbenblindheit...Die Abtreibung ist eine existentielle Gefahr fuer die Stabilitaet unserer Gesellschaft - dieses Thema muss mehr diskutiert werden.

Schon mal was Evolution und natürlicher Selektion gehört - beides hat nichts mit Nazi-Gedankengut zu tun sondern ist das was seit Anbeginn der Zeit auf diesen Planeten passiert! Nur die, die stark genug sind, sich und seine Nachkommen zu versorgen, kann überleben. Eine Realität die irgend wie immer wieder vergessen wird. Und da ist es egal, dass wir heute in einer Hightech-Welt leben.
Fällt die externe Versorgung weg - was schnell mal passieren kann!! - bleiben auch heute zu Kranke, Alte und Behinderte 'zurück'. Das sich das ändert ist reinstes Wunschdenken. (eher das Gegenteil nimmt zu - durch die steigende Bevölkerung, schwindende Resourcen, Klimaänderungen,....)

gesund, fit und leistungsorientiert

Das war die menschliche Gesellschaft die letzten 100.000 Jahre und mehr ja auch schon, die Selektion fand da eben auf "natürliche" weise statt, welche in einer zivilisierten Gesellschaft durchaus zu hinterfragen ist...

Ich halte es für keinen Fehler, Krankheiten und Defekte möglichst u vermeiden oder zu behandeln

sehrwohl aber ist es perfide, Menschen einzureden, sie wären ach so glücklich, wenn sie diese Mängel hätten.

Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

Erschreckend!

http://www.katholisches.info/wp-conten... setzes.pdf

wenn mans nicht selber liest, glaubt man nicht, wieviel Schwachfung zu Papier gebracht werden kann.

Eigentlich traurig, denn das ganze liest sich sehr hasserfüllt und mit Schaum vor dem Mund, der sogenannte Antifaschismus.

das selbstbestimmungsrecht über den eigenen körper ist meiner meinung nicht in frage zu stellen! leider resultieren daraus in zusammenhang mit schwangerschaft einige probleme.

die fristenlösung stellt sogesehen einen kompromiss dar: das mehr oder weniger willkürliche festlegen eines zeitpunktes während der schwangerschaft bis zu dem die schwangerschaft abgebrochen werden darf. und dann gibt es noch die möglichkeit zur spätabtreibung bei zb "embryopathischer indikation". als indikation gilt hier zb auch blindheit. ich bin schon der meinung, dass über diesen "indikations-katalog" für einen spätabbruch diskutiert werden sollte.
zur klarstellung: ich argumentiere hier nicht gegen die fristenlösung. aber ich behaupte, dass die möglichkeit auf abtreibung von "behinderten embryonen/föten" bis zu den eröffnungswehen in zusammenhang mit diskriminierung von "behinderten" menschen steht. da hat buchinger mMn schon recht!

Spätabtreibungen:

werden nur BIS zur Lebensfähigkeit (20 Woche) durchgeführt, außer der Fötus ist nachweislich nicht lebensfähig (zB Acephalus)

Bitte

lassen Sie sich noch von der Aktion Leben in der Dorotheergasse in Wien beraten (gibt's auch in den Bundesländern)...wenn noch nicht zu spät...jedenfalls wird sie Ihnen objektiv weiterhelfen!
Jede Entscheidung, die Sie treffen hat keiner von uns zu beurteilen! Aber jedes Leben ist lebenswert, auch das haben wir alle nicht zu beurteilen! (Selbst in Behindertenbetreuung tätig u Mutter eines beeinträchtigten Kindes...es ist das beste Kind, das ich mir vorstellen kann und ich bin dankbar für die Zeit, die wir mit ihr haben!)

spätabtreibungen können über die lebensfähigkeit hinaus durchgeführt werden wenn die ethikkomission dies für richtig befindet.

Lebensfaehigkeit hast aber in der 20. Woche noch keine. 24. is schon grenzwertig.

das steht so aber nicht im gesetz

StGB §97
dort stehen nur die drei monate im fall der fristenlösung; ansonsten werden keine weiteren fristen angeführt.
hätten sie vielleicht einen link oder eine andere quelle zur hand?
würd mich sehr interessieren!

Arbeite seit Jahrzehnten in einem der größten Krankenhäuser

sie werden in ganz A keinen Arzt finden, der sich nicht daran hält.
In Kanada gibt es übrigens gar kein Abtreibungsgesetz (dh, es können dort auch gesunde Föten bis vor Geburt abgetrieben werden), und auch dort wird es so gehandhabt.

Alles klar.
Wenn man von Abtreibungen lebt, dann schaut man natürlich, dass einem die Kundschaft nicht ausgeht.

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