Eine Staatskapelle wie ein Sturm

27. März 2013, 17:33
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Christian Thielemann dirigiert Brahms, Beethoven, Henze

Salzburg - Die Sachsen haben Salzburg im Sturm erobert. Der Jubel für Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden, die heuer Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Osterfestspielen abgelöst haben, wollte kein Ende nehmen.

Christian Thielemann zelebriert mit seinem Orchester den Aufbau machtvoller Crescendi. Er dreht beinahe mehr fühlbar als hörbar an der Lautstärkeschraube, entwickelt die Intensität im Inneren des Klanges. Da wird nicht einfach "lauter" gespielt. Vielmehr werden die Bläserstimmen immer plastischer moduliert, melodische Bögen immer deutlicher phrasiert. Die Streicher müssen sich dabei keineswegs zurücknehmen: Der Streicherklang ist aus einem Guss, kraftvoll und facettenreich.

Höhepunkt des dritten Orchesterkonzerts der Osterfestspiele im Großen Festspielhaus war das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 von Ludwig van Beethoven. Der Pianist Yefim Bronfman trat mit dem Orchester in einen mitreißend lebendig gestalteten Dialog. Er gestaltete kleinste pianistische Fioraturen mit der gleichen Ruhe und Souveränität wie etwa die machtvollen Unisonoanschläge im ersten Satz. Traumverloren schön musiziert waren die Dialoge zwischen dem Klaviersolisten und den Holzbläsern.

Der von Thielemann voll Spannung zelebrierte Übergang zum dritten Satz war ein Erlebnis: Es war beinahe schon komisch, wie aus der weihevollen Konzentration und Stille heraus die Energie des Rondo allegro explodierte. Ebenso bejubelt war die Wiedergabe der Vierten Brahms. Auch diese Interpretation zeugte von der Klangkultur der Sächsischen Staatskapelle, deren Streicher auch im Fortissimo genug Luft und Licht übrig lassen, um feinste Motive und Melodien im Bläsersatz zur Wirkung kommen zu lassen. Hans Werner Henzes verinnerlichte Orchesterminiatur Fraternité. Air pour l'orchestre war eine ideale Einstimmung auf die aufbrandenden Emotionen bei Beethoven und Brahms.

Ein überzeugendes Beispiel für Klangkultur und technische Souveränität in Chor und Orchester war auch die Wiedergabe des Deutschen Requiems von Johannes Brahms im zweiten Osterfestspielkonzert, bei dem der Sächsischen Staatskapelle Dresden gleichberechtigt der Chor des Bayerischen Rundfunks zur Seite stand.   (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD,  28.3.2013)

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