Püppis, die an Speichen tanzen

27. März 2013, 17:15
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Julius Deutschbauers Ausstellung "Möbel, Topfpflanzen, Urlaubsreisen" blickt auf 20 Jahre Kunst am Plakat zurück

Wien - 20 Jahre Plakat vermeldet Julius Deutschbauer auf der neuesten seiner Verlautbarungen im DIN-A1-Format. Sie kündigt seine am Karsamstag (mit Osterschinken im Brotteig!) startende Ausstellung in der Exposition Jennersdorf an. Zwanzig Jahre Kunst am Plakat also, da darf man vom etablierten, ja vom gesettelten, routinierten Plakatkünstler sprechen, ja sogar zum Lehrenden der Plakatkunst hat er es inzwischen gebracht.

Und doch hat Deutschbauer für das Plakat zum 20-Jährigen kein Jubelgesicht aufgesetzt. Der Künstler schaut eher so drein, als wäre ihm Wasser in die Gummistiefel gelaufen. Das würde zumindest die abgestreiften Gummitreter neben den bloßen Füßen erklären.

20 Jahre Plakat, möchte man dem Künstler zuraunen, das ist doch etwas, auf das man stolz sein kann, auf das man zurückblicken kann, aus dem man schöpfen kann. Und das tut Deutschbauer auch, zitiert sich selbst, wie das auch Malerfürst Georg Baselitz in seinen Remixes tat.

Deutschbauer allerdings - das zeigt eine Wand in der Galerie Steinek - remixt das Papiergedruckte in Ölkreide und erinnert lediglich in Fragmenten; der Kenner kann jedoch Details wie Raumecken, Schuhspitzen und übereinandergeschlagene Knie den richtigen Plakaten zuordnen. Aber Der einsame Schlucker. Ein Singlevergnügungspark zur Nacht der langen Museen (2010) mit dem Sujet des armen Poeten ist definitiv dabei.

Vor dem Hintergrund seiner stets politischen, bissigen Plakate, die auf den Staat (z. B. Österreich negieren), (Kultur-)Politik, Kollegenschaft und das Dasein als Künstler im Allgemeinen abzielten, kann man diese Revision des Vergangenen aber nicht als Langeweile eines Saturierten verstehen.

Trotzdem spielt Deutschbauer mit der bourgeoisen Gesetztheit, auf der man sich nach 20 Jahren Plakat ausruhen könnte. (Ach ja, auch Sessel sind mit Plakatstücken bepickt!). Wäre es nicht langsam an der Zeit für Möbel, Topfpflanzen, Urlaubsreisen, wie die Ausstellung in der Galerie Steinek betitelt ist? Dinge, so heißt es, die Deutschbauer zutiefst verachtet. Also wird die Topfpflanze durch stetes Herumwedeln mittels perfider Automatik abgemurkst. Und das Fahrrad - eine Hommage an Duchamps Großes Glas - wird lahmgelegt. Es ruht auf den Gesammelten Werken Jean Pauls, der bereits zu seiner Zeit erfolgreich war, aber auch extrem angefeindet wurde. Das Rad wird zum Spielzeug, an dessen Speichen an Hans-Bellmer gemahnende hübsche Papp-Püppis tanzen.

Deutschbauer lässt lieber tanzen - Raumkünstlerin Stephanie Rauch türmte ihm etwa Arbeitstische zum Modell eines Kulturinstituts auf - er verweigert sich dem Anspruch eines kreativen Outputs: Und so tapst er, wie in der Performance zur Eröffnung, von einem Fuß auf den anderen.   (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 28.3.2013)

Bis 4. April, Galerie Steinek, Eschenbachgasse 4, 1010 Wien

  • "Hochstapel" von J. Deutschbauer und S. Rauch.
    foto: galerie steinek

    "Hochstapel" von J. Deutschbauer und S. Rauch.

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