Forscher entdecken einen neuen Tierstamm

27. März 2013, 17:22
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"Picozoa" messen nur drei tausendstel Millimeter und können nicht einmal Bakterien fressen

Köln - Ein eher seltenes Ereignis melden Wissenschafter der Universität zu Köln: Die Identifizierung eines neuen Tierstamms. Bei einem "Stamm" bzw. "Phylum" handelt es sich um eine der höchsten taxonomischen Stufen in der Biologie. So bilden etwa die Gliederfüßer einen eigenen Stamm, die Weichtiere oder auch die Chordatiere, unter denen sämtliche Wirbeltiere nur eine Unterkategorie ausmachen.

Die Entdeckung gelang skurrilerweise aber nicht Zoologen, sondern Botanikern, weil die nun "Picozoa" benannten Winzlinge zunächst für Algen gehalten worden waren. In der Zeitschrift "PLoS ONE" beschreiben die Arbeitsgruppen von Michael Melkonian Linda K. Medlin die Einzeller, die kleiner als 0,003 Millimeter sind und in allen Ozeanen der Welt vorkommen. Ein Liter Meerwasser kann bis zu 300.000 Zellen dieser Picozoa enthalten. 

Selbst Bakterien wären für sie zu große Brocken

Möglich wurden die neuen Erkenntnisse, nachdem es dem Kölner Forscher Ramkumar Seenivasan gelungen war, die Organismen im Labor zur Vermehrung zu bringen und ihr Verhalten und ihre Struktur genauer zu untersuchen. Dabei stellte sich auch heraus, dass es sich bei den Einzellern eben nicht um Algen, sondern um Protozoen handelt.

Überraschend war, dass ihre Feinstruktur sich von der aller bislang bekannten Zellen mit Zellkern unterscheidet: Die Zelle besteht aus zwei Hälften, eine Hälfte enthält alle wichtigen Zellbestandteile einer typischen Zelle, die zweite Hälfte besteht aus einem Membransack und einer komplexen Zellskelett-Struktur für die Nahrungsaufnahme. Letztere besitzt einen schlitzförmigen Zellmund, dessen Öffnung zu klein ist, um Bakterien (die bevorzugte Nahrung vieler Protozoen) aufzunehmen.

Über den Inhalt der Nahrungsvakuolen der Picozoa erhielten die Forscher Hinweise, dass marine Kolloide - kleinste organische Partikel - die bevorzugte Nahrung der Picozoa darstellen. Die Organismen "schlucken" große Mengen Meerwasser, wodurch sich ihr Membransack aufbläht, und filtern dabei das Meerwasser nach Partikeln geeigneter Größe. Die Picozoa können deshalb als "Bartenwale des marinen Pico-Kosmos" bezeichnet werden, so die Uni Köln. (red, derStandard.at, 27. 3. 2013)

 

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