Und jetzt die Inflation?

Blog27. März 2013, 16:58
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In Großbritannien und Japan zeichnet sich höhere Teuerung ab. Doch was bringt mehr Inflation einer Volkswirtschaft, wenn die Demografie ein Gegenwind ist?

Die Versuche der Zentralbanken, die Wirtschaft zu reflationieren, waren bislang von zweifelhaftem Erfolg. In den meisten Ländern sind die Inflationsraten und das Kreditvolumen trotz Nullzinses und massiver Investition kaum gewachsen. Lediglich in den USA lässt sich so etwas wie Leben im Kreditmarkt, etwa für Immobilien, erkennen. Ansonsten führt mehr Zentralbankgeld eher zu steigenden Vermögenspreisen als zu mehr Wachstum.

Doch zwei Länder, Großbritannien und Japan, versuchen sich mit Experimenten aus der Krise zu inflationieren. Die japanische Notenbank hat mit der Ankündigung drastischer Interventionen den Wert der eigenen Währung massiv gedrückt. Und die Briten könnten unter ihrem zukünftigen Chef, dem Kanadier Mark Carney, einen neuen Politikweg einschlagen (mit Fokus auf nominales Wirtschaftswachstum statt Inflation).

Und tatsächlich: Die Marktteilnehmer erwarten sich, dass die neue Politik funktioniert, wie die Analysten des britischen Vermögensverwalters Schroders in einer aktuellen Studie zeigen. Darauf deuten zumindest die impliziten Inflationraten von den Anleihenmärkten. Diese geben an, mit welchen Teuerungsraten Anleger von inflationsgeschützten und nominalen Anleihen rechnen. Sowohl in Großbritannien als auch in Japan sind diese für die kommenden fünf Jahre massiv gestiegen (siehe Grafik). In Japan wird bereits das Ende der jahrzehntelangen Deflation vorhergesehen. 

Doch sind die steigenden Inflationserwartungen jetzt eine gute Entwicklung? Nicht, wenn es nach Edward Hugh geht. Der britische Ökonom und Blogger hat bei einem Gespräch in Wien anlässlich der europäischen Konferenz von Morningstar vor den massiven Risiken dieser Politik gewarnt. Denn laut Hugh vernachlässigen die Zentralbanker einen wichtigen Fakt: "Die Demografie spielt eine deutlich größere Rolle als viele zugeben wollen. Auch bei makroökonomischen Phänomenen wie Deflation und Inflation übernimmt die Bevölkerungspyramide einen wichtigen Part."

Für eine alternde, und schrumpfende Bevölkerung mit großen Vermögenswerten (wie etwa in Japan) mache Deflation deutlich mehr Sinn als Inflation. In einem Beitrag nannte er Japan "the text book case of a society where the fundamental mismatch between declining demography and appeasing an ever older electorate with populist politics leads to complete dysfuncionality". Je länger die Politik daher die alten Sparer in der Gesellschaft mit Steuergeschenken bedient, desto schwerwiegender also das strukturelle, makroökonomische Problem (etwa marode Banken). Inflation aber sei problematisch für ein Gros der Gesellschaft und daher deutlich weniger gewünscht als etwa in Gesellschaften wie den USA, die ein positives Bevölkerungswachstum aufweisen.

Denn das Wachstum, so könnte man argumentieren, ist in Japan gar nicht so ein Problem (siehe Grafik). Real, nach Abzug der Inflation (die ja negativ ist, also Deflation), ist der Inselstaat gewachsen. Viel mehr noch, pro Kopf ist Japan zum Teil stärker gewachsen als so manches andere Industrieland, trotz seiner "verlorenen Jahrzehnte".

Das Land hat ein anderes Problem, wie auch Ökonom Paul Krugman schreibt: Japan gehen die Japaner aus. Daran kann die Notenbank - im Zweifel - wenig ändern. Eine strukturell schrumpfende Gesellschaft wird nicht durch monetäre Intervention auf einen drastischen Wachstumspfad mit deutlich höheren Inflationsraten umschwenken. Wie auch aktuelle Daten im "Economist"-Blog Buttonwood zeigen: Es gibt einen strukturellen Rückgang des Wachstums in Industrienationen. Das liegt genauso am Rückgang des Bevölkerungswachstums wie am abnehmenden Grenznutzen von Innovationen. An diesen Fragen kann aber höhere Inflation und mehr Geld von den Notenbanken nichts ändern. (Lukas Sustala, derStandard.at, 27.3.2013)

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  • Die Inflationserwartungen für Japan und Großbritannien legen zu.
    grafik: derstandard.at/marktmelange, quelle: bloomberg, schroders

    Die Inflationserwartungen für Japan und Großbritannien legen zu.

  • Japans Krise: Der Unterschied zwischen realer und nominaler Schrumpfung.
    grafik: derstandard.at/marktmelange, quelle: darastream, schroders

    Japans Krise: Der Unterschied zwischen realer und nominaler Schrumpfung.

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