Eisfrühling als Folge des Klimawandels

27. März 2013, 17:42
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Wissenschafter erklären extreme Wetterphänomene mit Arktischer Eisschmelze

Wien/Podsdam - "Und ich hab geglaubt, es is Klimawandel!", ist derzeit im ostösterreichischen Eisfrühling ein oftmals geseufzter Satz. Einige Wissenschafter weisen allerdings darauf hin: Der späte, lange Winter mit seinen gefrorenen Niederschlägen in weiten Teilen Europas und Nordamerikas könnte genau das sein: eine Folge des Klimawandels.

Diese ungewohnten Wetterphänomene könnten nämlich durch das rapide Abschmelzen des arktischen Eises ausgelöst worden sein. Das See-Eis sei bereits um 80 Prozent - verglichen mit der Eismasse vor 30 Jahren - reduziert, berichtete Jennifer Francis, Professorin am Rutgers Institute of Coastal and Marine Science, diese Woche im "Guardian". "Das ist ein dramatischer Verlust", betont Francis, und ein Symptom der globalen Erwärmung und der verstärkten Erwärmung der Arktis.

Veränderung des Jetstreams

Laut Francis hat nun der massive Eisverlust die Erwärmung der Atmosphäre und des Meeres weiter angeheizt - was wiederum den Jetstream verändert: jene hoch gelegenen Luftströmungen, die das Wetter in der nördlichen Hemisphäre maßgeblich beeinflussen.

Und genau das führe zu den derzeit herrschenden extremen Wetterverhältnissen, weil durch diese Verschiebung die arktisch kalten Luftmassen viel weiter in den Süden gelangen können. Davon ist nicht nur Jennifer Francis, sondern auch eine Vielzahl anderer Wissenschafter überzeugt.

Mehr extreme Wettersituationen zu erwarten

Eine These, die etwa auch Vladimir Petoukhov, Professor am deutschen Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, unterstützt. Er weist darauf hin, dass es gerade im vergangenen Jahr Rekordwerte beim Eisschwund in der Arktis gegeben habe - eine Folge des warmen Frühlings im Jahr 2012. Die Hypothese, dass die Eisschmelze die Windmuster verändere, wäre demnach eine Erklärung sowohl für extreme Hitzeperioden - als auch für extreme Kältewellen.

Auch die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) der US-Regierung stellte kürzlich in einem Bericht fest: Da weniger Meeresfläche von Eis bedeckt ist, sei auch die solare Einstrahlung in die Arktische See entsprechend größer: Genau deshalb seien laut NOAA in Nordamerika und Europa künftig mehr extreme Wettersituationen zu erwarten - wie etwa heftige Schneefälle, Hitzewellen und Überschwemmungen. Eine These, die zumindest nachvollziehbar ist - wenn man derzeit aus dem Fenster schaut. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 28.3.2013)

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    Schnauze voll vom Winter: Der Eisfrühling könnte durch das rapide Abschmelzen des arktischen Eises ausgelöst worden sein.

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