Zyperns Banken öffnen ihre Pforten - Massenansturm bleibt aus

28. März 2013, 16:31
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Bis 18 Uhr können die Kunden unter Einschränkungen Geld von ihren Konten beheben, Zyperns Präsident bedankt sich bei der Bevölkerung für ihr besonnenes Verhalten

Nikosia - Die Börse in Zypern bleibt noch zu, die Banken machen wieder auf. Dementsprechend lag am Donnerstag Nervosität in der Luft. In der Nacht hat die Europäische Zentralbank fünf Milliarden Euro Bargeld an die Banken Zyperns ausgeliefert. In einem schwer bewachten Konvoi soll es vom Flughafen Larnaka aus zur Zentralbank in Nikosia geführt worden sein. Um elf Uhr öffneten ausgewählte Banken wieder ihre Pforten.

Vor den Zweigstellen in der Hauptstadt Nikosia warteten Menschen ungeduldig auf Einlass. Dank der Warnungen, die seit Stunden im Radio und im Fernsehen ausgestrahlt werden, blieb ein Massenansturm auf die Banken aber aus. Auch aus allen anderen Regionen Zyperns wurde berichtet, dass die Banken ohne nennenswerte Zwischenfälle geöffnet wurden.

Verlauf nach Plan

In den Straßen der kleinen Inselrepublik zeigten Polizeistreifen Präsenz und fuhren von Bank zu Bank. Zusätzlich waren vor den Türen der Banken private Sicherheitsdienste im Einsatz. Bankkunden sollten in Gruppen von zehn Personen eingelassen werden, um Tumulte zu verhindern.

"Alles läuft gut. Ich bin zufrieden", sagte der zypriotische Abgeordnete Prodoromos Prodromou der Nachrichtenagentur dpa. Der Politiker stand auf dem zentralen Eleftherias Platz im Zentrum Nikosias, um die Öffnung der Banken zu beobachten. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens (RIK) hieß es: "Wenn das so weiter geht, dann werden wir sagen können: Alles nach Plan gelaufen." Ein Filialleiter der Bank of Cyprus im Zentrum Nikosias sagte der dpa: "Kein Zwischenfall."

Der zypriotische Präsident Nikos Anastasiades hat sich mittlerweile bei allen zypriotischen Bürgern für ihr Verhalten bedankt. Anastasiades lobte seine Mitbürger für deren "Reife". Die Zyprioten hätten gezeigt, dass sie "es nicht nur wollen, sondern es auch können", ihr Land aus der Krise zu führen.

Offen bis 18 Uhr

Bis 18 Uhr können die Kunden Geld vom Konto abheben - allerdings mit gravierenden Einschränkungen. Pro Person und Konto sollen die Zyprioten maximal 300 Euro pro Tag abheben dürfen - weniger, als es früher geheißen hatte. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen über das Online-Bankingsystem werden wieder erlaubt. Damit sollen alle Angestellten ihre Gehälter erhalten.

Außerdem sollen Einschränkungen des Zahlungsverkehrs den Abfluss von Kapital nach einer Öffnung der Banken verhindern. Der Beschluss der Zentralbank sieht Grenzen für Auslandsüberweisungen sowie Auflagen für Immobilienverkäufe und für die Abwicklung von Exportgeschäften vor. Wie lange die Beschränkungen gelten sollen, ist heute noch nicht bekannt.

Einschränkungen

Seit dem 16. März konnten sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen. Hintergrund war der Beschluss eines Rettungspakets, mit dem ein Zusammenbruch des Bankensystems und der Staatsfinanzen verhindert werden sollte.

Im Einzelnen sollen nun Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank zunächst auf 5.000 Euro beschränkt werden. Für Beträge bis zu 200.000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Zyprioten sollen außerdem pro Auslandsreise maximal 1.000 Euro Bargeld mit sich führen dürfen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden. Das soll verhindern, dass Kapital in großem Umfang aus Zypern abgezogen wird.

Geordnete Bankenpleiten

Derweil ließ EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier mit der Aussage aufhorchen, dass künftig Großanleger systematisch für die Sanierung und Abwicklung von Banken zur Kasse gebeten werden könnten. Der Franzose sagte dem "Handelsblatt", sein Gesetzesentwurf sehe ausdrücklich vor, "dass vorrangige Gläubiger und nicht abgesicherte Einleger an den Kosten einer geordneten Insolvenz beteiligt werden können, wenn es nicht anders geht". Gesetzlich geschützt seien nur Sparkonten bis 100.000 Euro.

Die beiden neuen EU-Richtlinien, die vor der Sommerpause beschlossen werden sollen, müssten zudem sicherstellen, dass Banken in allen EU-Staaten nationale Fonds für die Abwicklung und die Einlagensicherung schaffen. (Reuters/red, derStandard.at, 28.3.2013)

  • Bilder einer Bankenöffnung

  • Seit 12 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) sind die Banken wieder geöffnet.
    foto: epa/katia christodoulou

    Seit 12 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) sind die Banken wieder geöffnet.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der erwartete Sturm auf die Banken ist aber ausgeblieben. So manch einer nimmt die Lage offenbar mit Humor.

  • EU-Kommissar Barnier sieht Zypern als Vorbild für künftige Rettungen.
    foto: epa/hoslet olivier

    EU-Kommissar Barnier sieht Zypern als Vorbild für künftige Rettungen.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Emsige Vorbereitung vor der Bankenöffnung: Hier wurde in der Laiki Bank Geld gezählt.

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