Buntes Holi-Fest in Indien

Ansichtssache27. März 2013, 19:07
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Die Menschen sehen aus wie bunte Clowns, die Straßen sind farbverschmiert - Erstmals feierten auch Witwen das legendäre Farbenfest

Auf Balkonen lauern Kinder mit Wasserpistolen, durch die Straßen ziehen junge Männer mit Trommeln und Farbbeuteln, bei Partys lassen sich ansonsten seriöse Politiker mit Farben beschmieren, bis sie wie bunte Clowns aussehen.

In Indien herrschte am Mittwoch Ausnahmezustand. Einmal im Jahr, wenn der Mond den Wechsel vom Winter zum Frühling einläutet, feiert Indien Holi, das legendäre Festival der Farben. Dann sind die Büros verwaist, die Geschäfte zumindest halbtags geschlossen, und das halbe Land ist außer Rand und Band. Selten sieht man das eher konservative Gandhi-Land so fröhlich, verspielt und ausgelassen. Und selbst biedere Familienväter genehmigen sich schon mal einen berauschenden Bhang-Lassi, einen Drink aus Joghurt und Cannabis.

Dieses Holi-Fest kam es zu einer kleinen Revolution: Erstmals überhaupt feierten hunderte Witwen in Vrindavan Holi - und brachen damit ein jahrhundertealtes Tabu. Je nach Region dauert Holi zwei bis zehn Tage. Man feiert den Sieg des Frühlings über den Winter und den Triumph des Guten über das Böse. Ähnlich wie im Karneval fallen die Schranken zwischen Arm und Reich, zwischen Alt und Jung. An Holi sind die Menschen vielleicht nicht gleich, aber ein Stück gleicher.

Doch ganz harmlos sind die kollektiven Farbspiele nicht immer. Vor allem auf den Straßen geht es auch ruppiger zu. Einige Männer missbrauchen Holi, um Frauen zu belästigen. Nicht alle Holi-Fans benutzen harmlose Farben. Naturfarben werden immer mehr durch Chemiefarben dubioser Zusammensetzung abgelöst. Jedes Jahr gibt es vereinzelt Tote. So fiel ein 26-jähriger in Mumbai aus einem Zug und starb, nachdem ihn Rowdys mit ätzendem Farbpulver beworfen hatten.

Der Dämonin entkommen

Holi ist mehr als nur eine lustige Farbenschlacht. Um die Ursprünge ranken sich gleich mehrere Mythen und Legenden. Die Festtage beginnen vielerorts mit dem Entzünden von Freudenfeuern. In den Feuern wird eine Strohfigur, die Holika, verbrannt. Dies soll an den kindlichen Prinzen Prahlada erinnern, der wie durch ein Wunder der Dämonin Holika entfliehen konnte. Ähnliche Feste feiert man auch im iranischen Kulturkreis, in Pakistan, Nepal und Bangladesch. (Christine Möllhoff aus Neu-Delhi, DER STANDARD, 27.3.2013)

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