Fragil, sinnlich und generationsübergreifend

  • Gewalt und Disziplinierung: zerschlagenes Porzellan in der Installation "A Hundred Beats" (Detail) von 2011.
    vergrößern 750x501
    foto: galerie mezzanin

    Gewalt und Disziplinierung: zerschlagenes Porzellan in der Installation "A Hundred Beats" (Detail) von 2011.

Arbeiten feministisch informierter Künstlerinnen in der Wiener Galerie Mezzanin

Wien - "Art is no place for a girl like you" hat man Etti Abergel immer wieder gesagt. Dabei vertritt die 1960 in Israel Geborene eigentlich jene Künstlerinnengeneration, von der man gerne annehmen würde, dass sie es leichter hatte als etwa Künstlerinnen in der Generation von Miriam Cahn.

Die Schweizer Künstlerin Miriam Cahn wurde 1949 in Basel geboren und hat sich - inspiriert von der Frauenbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre - zunächst mit Performance befasst. Erst Anfang der 1990er-Jahre hat sich Cahn der Malerei zugewandt, da sie diese in ihrer gängigen Form als zu hermetisch, zu starr und zu "männlich" empfand.

In der Ausstellung Stay Inside in der Galerie Mezzanin machen nun auch einige von Cahns jüngsten malerischen Arbeiten deutlich, dass das Performative für ihre Herangehensweise von zentraler Bedeutung war: ereignis, 20.08.07 heißt ein weitgehend abstraktes Gemälde, das sowohl über den Titel, als auch über atmosphärische Farbverläufe auf Themen wie Zeitlichkeit und Prozesshaftigkeit verweist. Daneben hängt eine kleinformatige Serie von Köpfen, die in ihrer naiv-kindlichen Ausführung wiederum etwas Gespenstisches, teils traumwandlerisch Surreales haben.

Während bei Miriam Cahn zudem Titel wie vogeltraum oder hirnwind ihr Interesse am Unbewussten offenbaren, kehrt Etti Abergel ihre Erinnerung in Form von Scherben hervor: A Hundred Beats (2011) heißt ein fragiles Gebilde, bei dem sie zerbrochenes Porzellan mit Stöcken (teils mit Gipsbandagen überzogen) kombiniert. Das lässt an häusliche Streitereien, aber auch Disziplinierungen denken.

Es liegt nicht nur an den zerbrochenen Tassen, dass Abergels überwiegend weiß bemalte Installationen auch an psychiatrische Anstalten erinnern: Ganz konkret deutet die aus Männerhemden gefertigte Arbeit White Shirt (2009/ 2010) darauf hin, mit der man Ärztekittel oder auch Zwangsjacken assoziiert.

Zum Themenbereich (geschlechtsspezifischer) Normen und Zwänge liefert auch die Jüngste im Bunde, die 1977 in Polen geborene Marzena Nowak einen trefflichen Kommentar: Ihre überlange Rosenkranzkette (Untitled [rosary], 2013) trägt schließlich der Tatsache Rechnung, dass die Auseinandersetzung mit der mächtigen katholischen Kirche in Polen bis heute eine zentrale emanzipatorische Aufgabe ist.    (Christa Benzer, DER STANDARD, 28.3.2013)

Bis 4. 4., Galerie Mezzanin, Getreidemarkt 14 / Eschenbachgasse, 1010 Wien

 

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.