Notizdienst Evernote plant Börsengang in zwei bis drei Jahren

27. März 2013, 15:18
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ründer Phil Libin verspricht, keine Geschäfte mit den Daten der Nutzer zu machen

Der schnell wachsende Online-Notizdienst Evernote will an die Börse, lässt sich damit allerdings noch Zeit. Eine Aktienplatzierung sei erst in zwei oder drei Jahren zu erwarten, sagte Evernote-Gründer Phil Libin der Nachrichtenagentur dpa. "Grundsätzlich wollen wir auf jeden Fall an die Börse gehen, damit sich jeder ein Stück von Evernote kaufen kann. Aber definitiv nicht dieses und auch nicht nächstes Jahr", betonte Libin.

"Mein Ziel ist, dass alle, die verkaufen wollen, etwa ein Jahr vor der Aktienplatzierung rausgehen."

Der Gründer will verhindern, dass Altinvestoren beim Börsengang Kasse machen: "Mein Ziel ist, dass alle, die verkaufen wollen, etwa ein Jahr vor der Aktienplatzierung rausgehen." Dann sollten nur noch Geldgeber an Bord sein, die 20 oder 30 Jahre bleiben wollen, sagt Libin. Verkaufen will er Evernote im Gegensatz zu seinen ersten beiden Firmen nicht: "Wir haben von Anfang an beschlossen, wir wollen ein Unternehmen für 100 Jahre aufbauen." Evernote bekam seit dem Start vor rund fünf Jahren über 250 Mio. Dollar (194,4 Mio. Euro) von Investoren.

Bei Evernote kann man alle möglichen Notizen mit Text, Bildern, Internet-Links oder Fragmenten von Webseiten online speichern und über verschiedene Geräte abrufen. Der Dienst hat weltweit rund 50 Millionen Nutzer und gewinnt derzeit pro Tag rund 100 000 neue hinzu. Evernote ist grundsätzlich kostenlos, Nutzer des kostenpflichtigen Premium-Angebots bekommen aber unter anderem mehr Speicherplatz und bessere Suchfunktionen.

Premium-Abo

Diese Woche gab das Unternehmen einen Deal mit der Deutschen Telekom bekannt: Kunden des deutschen Telekommunikations-Riesen bekommen für ein Jahr ein Premium-Abo für Evernote geschenkt. Evernote erhoffe sich davon vor allem, in den Massenmarkt in Deutschland vorzustoßen, sagte Libin. Bisher hat der Dienst hierzulande gut 1,3 Millionen Nutzer. Evernote bekomme im Zuge der Partnerschaft Geld von der Telekom - wenn auch bei weitem nicht die 40 Euro pro Jahr, die eine reguläre Premium-Mitgliedschaft einen Nutzer kostet.

Evernote lehne es grundsätzlich ab, gespeicherte Informationen der Kunden für Werbung oder Datenanalyse auszuwerten, betonte der Gründer. "Das steht auch in Zukunft nicht zur Diskussion, auch wenn wir damit inzwischen sicher viel Geld verdienen könnten." Es gehe auch darum, das Vertrauen der Nutzer nicht aufs Spiel zu setzen. "Für uns ist es das Kerngeschäft, wenn Menschen uns ihre Erinnerungen anvertrauen. Wir verdienen nur Geld, wenn die Leute unseren Dienst so gerne nutzen, dass sie uns Geld bezahlen." Neben den Einnahmen von Premium-Kunden sei das zweite Standbein des Geschäftsmodells der Aufbau von Wissens-Plattformen für Unternehmen.

Nicht besonders aussagestark

Derzeit zahlen im Schnitt fünf Prozent der Evernote-Nutzer für einen Premium-Account, sagte Libin. Doch diese Zahl sei nicht besonders aussagestark, denn der Anreiz, für zusätzliche Möglichkeiten zu bezahlen, wachse erst mit der Zeit. "Nach dem ersten Monat schließen weniger als 0,5 Prozent der Nutzer Premium-Abos ab, nach einem Jahr sind es bereits sechs Prozent, nach vier Jahren ist es mehr als jeder Vierte." Die Zahl der Premium-Kunden dürfte also deutlich steigen, wenn die heutigen Neuankömmlinge länger dabei bleiben.

Vom jüngst gestarteten Konkurrenz-Dienst Google Keep werde Evernote letztlich eher profitieren, weil dadurch die Bekanntheit von solcher Angebote steige, ist Libin überzeugt. Zudem habe Google mit der Einstellung des RSS-Dienstes Google Reader wenige Tage zuvor das Vertrauen der Nutzer untergraben. Google Reader dient dazu, Nachrichten von verschiedenen Webseiten einzusammeln und an einer Stelle zu präsentieren. Vielnutzer zeigten sich irritiert von dem angekündigten Ende des Google-Angebots. (APA, 27.3. 2013)

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    screenshot: webstandard
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