Wer bis zum letzten Atemzug fightet, wird geliebt

27. März 2013, 15:38
268 Postings

Das 2:2 in Irland könnte, muss aber nicht Goldes wert gewesen sein. Für Teamchef Koller bleibt der Weg zur WM nach Brasilien "verdammt hart". Die Nation glaubt an ihre Fußballer, am 7. Juni steigt in Wien gegen Schweden das erste Finalspiel

Wien/Dublin - Ein Unentschieden bleibt ein Unentschieden. Der österreichische Teamchef Marcel Koller bezeichnete das 2:2 in Dublin trotzdem als "Sieg für die Moral". Schießt man, schießt David Alaba in der 92. Minute den Ausgleich, "macht die Mannschaft die Erfahrung, dass es sich lohnt, bis zum letzten Atemzug zu fighten".

Der Tag danach. Die Nacht war keine, der Flieger ist um fünf Uhr in der früh in Wien gelandet. Koller musste auch noch das Eis vom Auto kratzen, rau sind Winter und Leben. Der Schweizer bestritt die obligatorische Nachbetrachtung souverän, großartige Emotionen fielen der Müdigkeit zum Opfer. Wobei Koller auch im ausgeruhten Zustand nie auf Tischen tanzt. "Fußballerisch waren wir das bessere Team. Es gab Hochs und Tiefs. Fest steht, dass wir gegen einen direkten Konkurrenten um Platz zwei auswärts gepunktet haben und an die WM in Brasilien weiter glauben können. Trotzdem haben wir nichts erreicht, der Weg ist verdammt hart."

Schweden-Match praktisch ausverkauft

Koller dankte den 2700 mitgereisten Fans. "Fantastisch. Die Spieler haben diese Zuneigung letztendlich zurückgegeben." Über die weitere Liebe müssen sie sich nicht sorgen. Am 7. Juni wird das Happel-Stadion gegen Schweden ausverkauft sein, es gibt nur noch Karten in den Kurven. Der Server des ÖFB ist eine arme Sau, er bewältigt die Anfragen kaum. Verbandspräsident Leo Windtner war noch in Dublin aus dem Häuschen. "Der späte Ausgleich führt zum Turnaround in den Köpfen."

Koller schilderte die Stimmung in der Kabine so: "Nicht Jubel, Trubel, aber doch Freude. Weil wir dabei geblieben sind."

Alaba war "froh, noch etwas mitgenommen zu haben". Kapitän Christian Fuchs stimmte dem zu. "Es wäre mehr drinnen gewesen, aber vielleicht ist dieser Punkt noch Goldes wert." Vielleicht auch nicht, den Schweden könnte das Remis gefallen. Koller: "Wir haben uns auch über ihr 0:0 gegen Irland gefreut. Sie sind überzeugt, in Wien etwas zu holen. Ich bin es nicht." Jedenfalls sei eine ganz andere Partie als in Dublin zu erwarten. "Sie werden nicht auf Wucht und Zweikämpfe setzen, sondern versuchen, Fußball zu spielen."

Keine Einzelkritiken

Koller sparte sich Einzelkritiken, er hielt seine Meinung über den abermals mäßigen Marko Arnautovic zurück. "Er ist wichtig, hat seinen Platz nicht fix." Der im Gegensatz zu Martin Harnik unauffällige Philipp Hosiner musste einsehen, dass zwei Treffer gegen die Färöer und 27 für die Austria auf einer höheren, robusteren Ebene wenig zu bedeuten haben. "Er wird daraus lernen. Jeder muss lernen, jeder muss in allen Belangen besser werden."

Auffallend war, dass die Mannschaft den Ausfall des bis dahin überragenden Zlatko Junuzovic in der 21. Minute kaum verkraftet hat. Auch Alaba kam für seine Verhältnisse nur schwer in Tritt, Koller ist das nicht entgangen. "Durch das Tor hat er sich noch eine sehr gute Note verdient." Junuzovic erlitt nach einer Attacke von McCarthy ein Rissquetschwunde am Knie, sie wurde mit fünf Stichen genäht. Junuzovic, er fällt rund zwei Wochen aus, empfand das Foul keinesfalls als "rotwürdig. Gelb passte." Der Bremen-Legionär erwartet gegen Schweden "ein erstes Finale. Das Stadion wird kochen."

Koller wird sich um einen neuen Tormanntrainer umschauen müssen, Otto Konrad wechselt in die Politik, kandidiert in Salzburg für Frank Stronach. Die Vorbereitung auf Schweden wird zehn Tage dauern (fünf in Stegersbach, fünf in Wien) und ohne den gesperrten Veli Kavlak stattfinden. Einige Kicker werden nach Ende ihrer Ligen müde sein. Koller: "Wir werden abschalten und arbeiten. Heimspiele muss man gewinnen." (Christian Hackl, DER STANDARD, 28.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der emotionale Virtuose an der Outlinie: Giovanni Trapattoni.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der bedacht und vergleichsweise emotionslos auftretende Marcel Koller.

Share if you care.