"Extreme Lücken" bei Kinderbetreuungsplätzen

27. März 2013, 13:52
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Die Arbeiterkammer ortet ein massives Stadt-Land-Gefälle - EU-Gelder zum Ausbau gefordert

Wien - Die Arbeiterkammer ortet "extreme Lücken" an Kinderbetreuungsplätzen im ländlichen Bereich. Laut einer aktuellen Auswertung der AK habe nur ein Prozent der Kinder in Gemeinden unter 2.500 EinwohnerInnen einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit beider Eltern vereinbar sei. Zum Ausbau der Betreuungsplätze fordert die Kammer die Verwendung von EU-Mitteln.

Laut Alice Kundtner, AK Vize-Direktorin und Leiterin des Bereichs Soziales, seien die EU-Mittel zur Förderung der regionalen Entwicklung und der Entwicklung des ländlichen Raums in der Praxis bislang fast zur Gänze in den landwirtschaftlichen Bereich geflossen. "Das soll sich ändern", so Kundtner: "Statt in die nächste Güterweg-Asphaltierung soll das Geld in den sozialen Zusammenhalt fließen."

Minderung von Jobchancen von Frauen

Laut einer Auswertung der Kindertagesheimstatistik 2011/2012 der Statistik Austria durch die AK liegt die Betreuungsquote bei Kindern bis zum dritten Lebensjahr in 61 Prozent der Gemeinden unter 2.500 EinwohnerInnen unter zehn Prozent. Nur in 21 Prozent dieser Gemeinden liegt sie bei mindestens 20 Prozent. Dies schmälere vor allem die Jobchancen von Frauen massiv, so Kundtner.

Umgekehrt sei das Bild im städtischen Bereich (ab 20.000 EinwohnerInnen, inklusive Wiener Bezirke): 79 Prozent dieser Kommunen haben demnach eine Betreuungsquote von mehr als 20 Prozent.

Ein Problem stellen laut AK-Erhebung auch die Öffnungszeiten dar: Nur ein Prozent der Kinder in sehr kleinen Gemeinden hat demnach einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeit-Berufstätigkeit beider Eltern vereinbar ist (das bedeutet einen Kindergarten, der mindestens 45 Stunden/Woche geöffnet ist, Mittagessen anbietet und nicht mehr als 25 Betriebstage im Jahr geschlossen ist). Im städtischen Bereich haben hingegen 51 Prozent der Kinder eine derartige Betreuung.

Umverteilung der EU-Gelder

Die EU-Mittel sollten laut AK daher gezielt für den Ausbau der Betreuungsplätze eingesetzt werden. Laut einer von der AK in Auftrag gegebenen Studie des Zentrum für Verwaltungsforschung (KDZ) bestehen sowohl im Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) als auch im Rahmen des Fonds für regionale Entwicklung "gute Fördermöglichkeiten für soziale Dienstleistungen". Dies sei sogar ausdrückliches Ziel der EU-Kommission, sagte KDZ-Geschäftsführer Peter Biwald laut Aussendung.

Insgesamt fordert die AK 25 Prozent der Mittel aus dem ELER für soziale Dienstleistungen. Das wären eine Milliarde Euro für den Zeitraum 2013 bis 2020. Aus dem Fonds für die regionale Entwicklung wünscht sich die AK, fünf Prozent für die Förderung der sozialen Eingliederung zu verwenden (insgesamt stehen laut Schätzungen des Landes Wien 572 Millionen Euro in diesem Fonds für Österreich bereit). (APA, 27.3.2013)

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