Der "Marcel Prawy der Mathematik" wird 60

29. März 2013, 12:23
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Mathematiker und Wissenschaftskommunikator Rudolf Taschner feiert runden Geburtstag

Wien - "Die Presse gab ihm den Spitznamen 'Marcel Prawy der Mathematik'" prangt als Einleitungssatz auf Rudolf Taschners Homepage. Was den Mathematiker mit dem ehemaligen Opernkenner verbindet, sind der Enthusiasmus für das jeweilige Fachgebiet und die Gabe, dieses auch für Menschen außerhalb der Grenzen des Fachs interessant zu machen.

Mit Vorträgen zu Themen wie "Mathematik und Fußball", in denen er vermeintlichen Fußball-Weisheiten ("Wer 1:0 führt, der stets verliert") mit Hilfe von Statistik den Boden entzieht, sowie Büchern wie "Zahl. Zeit. Zufall. Alles Erfindung?" versucht Taschner, das vermeintlich sperrige Thema spielerisch und spannend zu vermitteln. Vor zehn Jahren gründete der 2004 zum Wissenschafter des Jahres gekürte Mathematiker außerdem den "math.space" im Museumsquartier (MQ), wo er rund 30.000 Besuchern pro Jahr Mathematik als kulturelle Errungenschaft präsentiert. Am 30. März feiert Taschner seinen 60. Geburtstag.

Werdegang

Taschner wurde am 30. März 1953 in Ternitz (NÖ) geboren. Er maturierte am Theresianum in Wien und studierte an der Uni Wien Mathematik und Physik. 1976 wurde er sub auspiciis praesidentis promoviert, gab sich damit aber noch nicht zufrieden und schloss ein Lehramtsstudium in seinen beiden Studienfächern an. 1977 begann er am Institut für Analysis und Technische Mathematik der Technischen Universität (TU) Wien als Uni-Assistent zu arbeiten, gleichzeitig unterrichtete er am Theresianum. Heute ist Taschner Dozent am Institut für Analysis und Scientific Computing der TU.

Der Mathematiker verfasste eine Reihe von Publikationen in internationalen Fachzeitschriften (u.a. über die "Theorie der Gleichverteilung") und ist Autor mehrbändiger mathematischer Lehr-und Fachbücher. In einer umfangreichen Vortragstätigkeit über mathematische Themen von allgemeinem Interesse sowie als Vortragender und Seminarleiter im Rahmen der Lehreraus- und -fortbildung schärfte Taschner seine Vermittlungskompetenz.

Das damals in Planung begriffene MQ sah er dann als Chance, parallel zur längst anerkannten Kunstvermittlung auch die Wissenschaftsvermittlung - zumindest für sein Fach - zu institutionalisieren. Mit dem "math.space" bringt er auf rund 200 Quadratmetern Interessierten ab dem Kindergartenalter die Welt der Zahlen näher.

Veröffentlichungen

Aus Taschners Vortrags- und Vermittlungstätigkeit entsprangen allgemein verständliche Sachbücher zu Themen wie "Das Unendliche, Mathematiker ringen um einen Begriff" (1995), "Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche" (2002), "Der Zahlen gigantische Schatten" (2004), "Zahl. Zeit. Zufall. Alles Erfindung?" (2007), "Rechnen mit Gott und der Welt" (2009) oder "Gerechtigkeit siegt - aber nur im Film" (2011), die zum Teil mehrfach ausgezeichnet wurden und wochenlang in den Bestsellerlisten aufschienen. Für sein Gesamtwerk erhielt Taschner den Danubius Donauland Sachbuchpreis 2007.

Für seine Leistungen als Mathematiker und seine unermüdliche Vermittlungsarbeit wurde Taschner außerdem 2004 vom Klub der Wissenschafts- und Bildungsjournalisten als "Wissenschafter des Jahres" geehrt, 2007 wählte ihn der Public-Relations-Verband Austria zum Kommunikator des Jahres. (APA/red, derStandard.at, 29. 3. 2013)

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