Rheumapatienten doppelt so oft von Herzinfarkt und Schlaganfall betroffen

27. März 2013, 13:38
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Eine frühzeitige Behandlung kann Betroffene schützen

Wiesbaden - Rheumatoide Arthritis, auch Gelenkrheuma genannt, gehört zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen die körpereigene Abwehr eigenes gesundes Gewebe angreift. Die Attacke ist zwar in erster Linie gegen die Knochen gerichtet, es begleitet sie jedoch eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper, die auch die Blutgefäße in Mitleidenschaft zieht. "Herzinfarkte und Schlaganfälle treten deshalb bei Rheumakranken doppelt so häufig auf wie in der übrigen Bevölkerung", meint Ulf Müller-Ladner, Chefarzt an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Demnach ist das Herzinfarktrisiko von Rheumapatienten in etwa so hoch wie jenes von Diabetikern.

"Schon in den ersten Erkrankungsjahren einer entzündlichen Gelenkerkrankung lassen sich mit kardiologischen Funktionstests Veränderungen in den Arterien nachweisen", berichtet Müller-Ladner im Vorfeld des 119. Internistenkongresses, der vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden stattfindet. Langfristig hätten Rheumapatienten deshalb unbehandelt ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Aber nicht nur bei aktivem Rheuma droht ein Herzinfarkt, so der Experte: "Auch beschwerdefreie Menschen mit positivem Rheumafaktor oder erhöhten rheumaspezifischen Autoantikörpern im Blut, sogenannten ACPA, haben bereits ein erhöhtes Atheroskleroserisiko." Diese Antikörper sind laut Angaben des Experten ein Zeichen für ein überaktiven Immunsystems. 

Rauchen fördert die Entzündung der Gelenke

Die von Rheuma ausgehenden Risiken für den Körper sind ein weiterer Grund für eine konsequente Therapie, betont die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) Elisabeth Märker-Hermann. Ihrer Meinung nach hilfreich seien neuere Medikamente, die die Signale der Entzündungsreaktion ausschalten. "Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass diese Biologika die Patienten auch vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen", sagt die Rheumatologin. Die Erfahrungen aus rheumatologischen Patientenregistern und epidemiologische Untersuchungen lassen hoffen, dass die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Rheumapatienten unter frühzeitiger Therapie sinkt. 

Ähnlich wie bei Diabetikern ist es für Menschen mit Rheuma wichtig, dass sich Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Normbereich befinden. "Angesichts des hohen Risikos sollten Ärzte etwa bei der Verschreibung von Cholesterinsenkern konsequent sein“, fordert Märker-Hermann. Ihr Rat: "Kein Rheumapatient sollte sich auf Medikamente allein verlassen. Auch wenn dies oft verwundert: Bewegung hilft." Entscheidend für Rheumatiker sei es laut Medizinern, auf Zigaretten zu verzichten. Denn Tabakrauch wirkt in solchen Fällen zweifach negativ: Er fördert die Entzündung der Gelenke und setzt die Wirksamkeit der Medikamente herab. (red, derStandard.at, 27.3.2013)

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