Stallorder in der Formel 1: Vettel, der Vorreiter

Kommentar26. März 2013, 19:05
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Stallorder in der Formel 1 ist Betrug an den Fahrern und Fans

Da hat Sebastian Vettel einiges losgetreten. Zunächst eine Lawine von Schimpf und Schande, die ihn selbst überrollte, nachdem er sich beim Grand Prix in Malaysia über "Code21" hinweggesetzt hatte. Diesen Code hatte der Rennstall Red Bull seinen beiden Piloten ins Cockpit gefunkt, auf dass sie das Rennen reifenschonend und möglichst ohne Risiko beenden sollten. Mark Webber lag zu diesem Zeitpunkt an erster Stelle, Vettel an zweiter, am Ende sah es genau umgekehrt aus, weil Vettel sehr wohl riskiert, weil er Webber überholt und also den "Nichtangriffspakt" gebrochen hatte.

Große Empörung bei Webber, große Empörung bei Red Bull. Sie wird sich gelegt haben (zumindest bei Red Bull), wenn Vettel (25) zum vierten Mal Weltmeister ist. So oder so hat der Deutsche, unabsichtlich wohl, neben der Lawine auch eine wichtige Diskussion ausgelöst, jene über die sogenannte Stallorder. Diese ist in der Formel 1 seit 2011 wieder erlaubt, davor war sie acht Saisonen lang verboten gewesen. Nun darf ein Team wieder anschaffen, dass sich sein zweiter vom ersten Fahrer überholen lassen muss, wenn es denn den "Teaminteressen" nützt.

Doch letztlich ist die Stallorder Betrug an den Fahrern und Betrug an den Fans - wie "Code21". Denn Rennfahren ist kein Teamsport, kein Stallsport und schon gar kein Stallordersport. Dass er es, obwohl er es nicht aufzeigen wollte, aufgezeigt hat, ist Vettels Verdienst. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 26.3.2013)

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