Getreidestroh als versöhnlicher Lieferant für Bioenergie

29. März 2013, 13:19
27 Postings

Deutsche Forscher nutzen einen Energieträger, der nicht auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion geht

Dresden - Die "Food vs. fuel"-Debatte hat das Thema Bioenergie in den vergangenen Jahren in zunehmendem Maße geprägt. Biokraftstoffe aus erneuerbaren Quellen galten lange Zeit als Hoffnungsträger für die Zukunft. Wenn aber Grundnahrungsmittel für immer mehr Menschen unerschwinglich werden, ist es ethisch bedenklich, wenn Anbauflächen der Erzeugung von Treibstoff anstatt der von Nahrungsmitteln gewidmet werden.

Vor diesem Hintergrund stellte das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) eine Methode vor, mit der auch ein Reststoff verwertet werden kann, der in der herkömmlichen Landwirtschaft ohnehin anfällt: Getreidestroh. Laut IKTS hätte diese Art von Biomasse in der jährlich anfallenden Menge von acht bis 13 Millionen Tonnen allein in Deutschland ein sehr großes Energiepotenzial.

Pilotversuche

Bisher konnten Biogasanlagen nur einen gewissen Anteil an derartigen Reststoffen verarbeiten, da sich diese meist schwieriger in Biogas umwandeln lassen als reines Getreide oder Mais. Üblicherweise benötigt Stroh für einen guten Abbaugrad laut IKTS 80 Tage im Fermenter. Durch eine geeignete Vorbehandlung, wie sie derzeit in einer Pilot-Biogasanlage im ostdeutschen Vogtland praktiziert wird, dauert dies nur noch etwa 30 Tage.

Während mehrmonatiger Versuche erreichten die Forscher einen Wert von etwa 70 Prozent dessen, was die in herkömmlichen Biogasanlagen verwendete Maissilage liefert. Das erzeugte Gas kann gereinigt und genügend konzentriert werden, um damit Fahrzeuge zu betanken oder das Gas ins Erdgasnetz einzuspeisen.

Auch die Verstromung des Biogases haben die Forscher laut eigenen Angaben optimiert. Sie lenken dafür das Gas in eine bei 850 Grad Celsius arbeitende Hochtemperaturbrennstoffzelle, die einen elektrischen Wirkungsgrad von 40 bis 55 Prozent hat und so herkömmlichen Gasmotoren mit einem Wirkungsgrad von durchschnittlich 38 Prozent deutlich überlegen ist. Die dabei erzeugte Abwärme eignet sich zum Heizen oder lässt sich ins Nahwärmenetz einspeisen. Den elektrischen und thermischen Wirkungsgrad zusammengerechnet, käme die Brennstoffzelle laut IKTS auf einen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 85 Prozent. (red, derStandard.at, 29. 3. 2013)

Share if you care.