Bankenunion und Krise: Großanleger sollen zahlen

Kommentar26. März 2013, 18:28
44 Postings

Der Teufelskreis, dass stets der Steuerzahler einspringt und Schulden der Staaten explodieren, muss gebrochen werden

Schon wieder Dijsselbloem! Das Aufatmen über eine Auffanglösung für das bankrotte Zypern durch Gewährung eines Zehn-Milliarden-Kredits war kaum verklungen, da löste der Chef der Eurogruppe die nächste Schockwelle auf den Märkten aus: Wenn Banken Probleme haben, würden die Europartner nicht automatisch einspringen. Auch große Anleger müssten zahlen. Risiken zu verringern sei im Bankensektor Gebot der Stunde.

Das sagte er den für die Finanzmärkte wichtigsten Medien der Welt, der Agentur Reuters und der Financial Times. Vielleicht durch Unachtsamkeit wurde daraus eine Story, wonach Dijsselbloem Zypern als Vorbild ("template") für künftige Aktionen ansehen würde, was dieser später bestritt. Wie auch immer. Dijsselbloem musste genau wissen, welche Folgen seine breiten Ausführungen haben würden.

Aber jenseits der Aufregungen um ein Wort ging leider unter, dass er in der Sache recht hat. Die Eurozone muss dringend eine Bankenunion schaffen, die mit dem Feuer spielende Banken wieder einfängt und das Risiko für ganze Staaten begrenzt. Der Teufelskreis, dass stets der Steuerzahler einspringt und Schulden der Staaten explodieren, muss gebrochen werden. Auch Private, die allzu spekulativ anlegen, müssen am Ende viel bis alles verlieren können. Das ist der Sinn einer Bankenunion, die am Ende einen europäischen Abwicklungsmechanismus und eine gemeinsame Einlagensicherung für kleine Sparer beinhaltet. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 27.3.2013)

Share if you care.