Keine Akzeptanz für Fracking in Europa

26. März 2013, 18:11
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Die Mitgliedsländer der Europäischen Union sind geübt im Spiel über die Bande, auch in Energiesachen. Die Bande geht mitten durch Brüssel und hört auf den Namen Europäische Kommission. Diese soll Stimmung machen, auf dass die Bevölkerung in Europa Lust auf Schiefergas bekommt. Das jedenfalls wünschen sich Energieunternehmen und Industrie.

Denn im Moment ist der Widerstand gegen das Fördern von unkonventionellem Öl und Gas - mit Ausnahme von Polen - so groß, dass sich selbst kapitalstärkste Konzerne daran die Zähne ausbeißen. Faktum ist, dass die Förderung herkömmlicher Kohlenwasserstoffe auf dem Alten Kontinent zurückgeht. Das erhöht den Importbedarf.

Potenzial

In Europa hätte Schiefergas das Potenzial, einen Teil der sinkenden Inlandsproduktion aufzufangen, hat ein von der EU-Kommission im Herbst 2012 vorgelegtes Gutachten ergeben.

Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin ist skeptisch, was die Erfolgsaussichten der Schiefergasförderung in Europa betrifft. "Einen mit den USA vergleichbaren Schiefergasboom erwarte ich für Europa nicht. In Europa gefördertes Schiefergas könnte bestenfalls die sinkende konventionelle Produktion ersetzen", sagte die Wissenschafterin im Gespräch mit dem Standard.

Polen sei ein Sonderfall. Die Bevölkerung stehe mehrheitlich hinter Fracking, weil man sich davon die Unabhängigkeit von russischen Energielieferungen verspricht. Dabei wird Schiefergestein mithilfe eines Wasser-Sand-Chemie-Cocktails aufgesprengt.

Allerdings mussten die ursprünglichen Schätzungen über förderbares Schiefergas in Polen deutlich nach unten revidiert werden. "Auch scheint die Geologie wesentlich komplexer zu sein als zunächst gedacht. Einige Firmen sind schon wieder abgezogen", sagte Westphal.

Schiefergasformationen im Wiener Becken sind auch schon länger bekannt. Die OMV wollte die Probe aufs Exempel machen und Bohrungen im Weinviertel abteufen. Als die Pläne ruchbar und die Widerstände heftiger wurden, hat das Unternehmen zum Rückzug geblasen. An der Montanuniversität Leoben wird an einem Verfahren gearbeitet, das Fracking ohne Chemie erlauben soll. Noch wird geforscht. (Günther Strobl, DER STANDARD, 27.3.2013)

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