Skulpturales Interieur: Meißel für Möbel

28. März 2013, 17:12
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Immer mehr Möbel fallen durch ihren skulpturalen Charakter auf - Dieser ist mehr als nur ein Stilelement

Es gibt Möbelstücke, die im Mittelpunkt eines Raums stehen, auch wenn sie am Rande platziert werden. Sie sind dazu gemacht, Spannung zu erzeugen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen - fast wie ein Kunstobjekt. Doch können viele dieser skulpturalen Möbel mehr, denn sie genügen über ihre optische Qualität hinaus auch höchsten Ansprüchen an Funktion und Verarbeitung.

Fast zu schön zum Draufsetzen und dabei sehr bequem sind die Sessel, die das Schweizer Label Gaga & Design zusammen mit den Designern Rami Tareef und Tal Gur produziert. Beide experimentieren mit der traditionellen Handwerkskunst der Flechttechnik, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Sitzfläche und Rücken von Tareefs COD Easy chair besteht aus dreidimensional verwobenen und linear aufgespannten Schnüren, deren Wirkung an die Op-Art der 1970er-Jahre erinnert. Die Bespannung auf der geometrisch angelegten Stahlkonstruktion gibt es in den Farbtönen Beige, Hellgrau und Dunkelgrau.

Einen weiteren luftigen und leichten Sessel namens Bocca hat der wie Tareef aus Israel stammende Gestalter Tal Gur entwickelt. Das Rückenteil seines elliptisch angelegten Sitzobjekts ragt fast bis auf den Boden, die gewobene Sitzfläche enthält einen Hohlraum, in dem man Zeitungen oder Zeitschriften ablegen kann.

Ideenreich

Mit ihrem synthetisch hergestellten Material sind die bis ins Detail filigran und kunstvoll gestalteten Sitzmöbel von Gaga & Design wetterfest und daher auch für Garten oder Balkon geeignet.

Ideenreich auf andere Art zeigt sich der multifunktionale Sesselhocker Jump der Sedda Polstermöbel aus Wallern. Mit nur einem Handgriff wird aus dem ebenen Hocker ein Sessel mit u-förmiger Arm- und Rückenlehne - und umgekehrt: Ein Zug an der Schlaufe am Rand der Sitzfläche genügt, und der graue Polstersessel verwandelt sich in eine ebene Fläche. Mehrere Jump-Sessel, miteinander kombiniert, ergeben dadurch eine ebenso flexible wie komfortable Liegelandschaft für Wohnzimmer oder Büroraum.

Zusammensetzen und immer wieder neu arrangieren lassen sich auch die vier trapezförmigen Elemente des weißen Beistelltischs Combo. Zwei von ihnen schließen mit einem Rahmen auf ihrer Oberfläche ab, die anderen sind randlos. Der Fantasie beim Aufstellen sind somit keine Grenzen gesetzt. Das variable Tischensemble aus pflegeleichten HPL-Platten hat Designer Francesco Rota für die italienische Marke Lema entworfen.

Mit einem neuartigen Beistelltisch macht auch der Hersteller de Sede auf sich aufmerksam: Das Modell DS-9011 von Designerin Angie Anakis überrascht durch seine optische Vielseitigkeit. Bewegt sich der Betrachter um den Tisch herum, scheint sich die asymmetrische Form je nach Blickwinkel selbst zu verändern. Die Außenseite ist matt in Schwarz oder Weiß lackiert, während das glänzende und metallene Innere mit dem Licht spielt. Durch seine beiden Größen und unterschiedliche Standflächen lässt sich das Tischobjekt abwechslungsreich anordnen. Das Äußere dient als Ablage, das Innenleben als offene Truhe.

Wechselspiel von geschlossenen und offenen Flächen

Durch sein Wechselspiel von geschlossenen und offenen Flächen strukturiert Paravent Alfred von Ligne Roset den Raum. Er besteht aus einem mit blauem Wollstoff bezogenen Paneel und einem leeren Holzrahmen. Diese zwei Teile bilden ein Element, das man als stummen Diener, Kleiderständer oder Raumteiler nutzen kann. Die Idee dazu hat das französische Designtrio Numéro 111 entwickelt.

Ebenfalls bei Ligne Roset produziert wird Recoin. Dieses originelle Wandregal braucht nicht die Zimmermitte, um im Zentrum des Interesses zu sein. Recoin bedeutet so viel wie "der Winkel eines Raumes" und stammt von den jungen Designern Pierre-Yves Le Sonn und Claire Baudrimont. Ihr Entwurf verbindet reduzierte Linien und sparsam eingesetztes Material. Er besteht aus einer einzigen spiegelpolierten Edelstahlplatte, die mit Laser ausgeschnitten und dann gebogen wird. Die nur hier und da sichtbare Oberfläche ist schwarz lackiert.

Zwei kontrastierende Farben machen Fields zu einem grafischen Blickfang. Seine Gestaltung stammt vom Designbüro Jehs+Laub. Die effektvolle Serie für den süddeutschen Hersteller Schönbuch umfasst Low-, High- und Sideboards in mehreren Ausführungen. Die große Farbfläche der Möbelfront wird von schmalen Linien durchzogen - den puristischen Griffleisten, die über ihre funktionale Aufgabe hinaus die Vorderseite des Kastenmöbels in rechteckige Felder aufteilen. Ausgestattet ist es mit Türen, Schubladen, Fachböden und eigens beschichteten Böden für Schuhe. Die Untergestelle der Kommoden sind aus Metall und in der jeweiligen Korpusfarbe lackiert. (Heike Edelmann, Rondo, DER STANDARD, 29.3.2013)

>>> Zur Ansichtssache: Skulpturale Möbel

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