Rückendeckung für Vettel von Ecclestone

26. März 2013, 18:18
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Sebastian Vettels Missachtung einer Stallorder sorgt weiter für Aufruhr. Für Mark Webber ist die Sache nicht aus der Welt geräumt

Sydney - Der Formel 1 merkt man die dreiwöchige Pause zwischen den Rennen am vergangenen Sonntag in Sepang und dem nächsten GP von China am 14. April derzeit so gar nicht an. Noch immer sorgt Sebastian Vettels missachtete Stallorder für ordentlichen Aufruhr. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat Vettels eigenmächtige Entscheidung, seinen führenden Teamkollegen entgegen Anweisungen aus der Red-Bull-Box zu überholen, nicht verärgert. Denn laut dem 82-jährigen Briten hätte dieser Funkspruch niemals abgesetzt werden dürfen. "Zu diesem Zeitpunkt der WM glaube ich nicht, dass es überhaupt eine Teamorder geben sollte. Ganz egal, bei wem", sagte Ecclestone der britischen Zeitung The Telegraph.

Noch direkter wurde Ecclestone bei Mercedes. Das Team hatte beim GP in Sepang im Finish entschieden, dass Nico Rosberg trotz schnellerer Rundenzeiten hinter seinem Kollegen Lewis Hamilton zu bleiben habe. Im Gegensatz zu Vettel gehorchte dessen deutscher Landsmann. "Ich war enttäuscht, dass Mercedes Nico nicht hat überholen lassen", sagte Ecclestone, der von einer "dummen Entscheidung" sprach. Niki Lauda, der Aufsichtsratsvorsitzende bei Mercedes, hatte die Teamentscheidung ebenfalls, noch am Sonntag, kritisiert. "Lasst sie gegeneinander fahren."

Anders als Mercedes musste Red Bull nach dem Rennen schlichtend eingreifen. "Die Sache ist außer Kontrolle geraten. Bei Sebastian ist der Racer in ihm durchgegangen", sagte Motorsportdirektor Helmut Marko. Der 69-jährige Steirer bestätigte aber, dass es nach der öffentlichen Entschuldigung Vettels noch in Malaysia zu einem Handshake zwischen den beiden Red-Bull-Piloten gekommen war. "Damit ist die Sache für uns erst einmal erledigt. Auf Urlaub müssen sie nicht gemeinsam fahren, aber ein konstruktives Arbeitsklima muss bestehen." Auf eine teaminterne Strafe für Vettel wird laut Marko verzichtet. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz habe sich aber über den Vorfall "nicht amüsiert" gezeigt. Vettel, der sich abseits der Rennstrecke stets höflich und korrekt gibt und noch nie für Skandale sorgte, führte in einem Interview selbst ins Treffen, dass man auf dem Asphalt "auch mal ein Drecksack sein muss".

"Sein Ego ändern"

Dass Vettel in einer ähnlichen Situation wieder gegen die "Code 21" genannte Funkanweisung verstoßen würde, glaubt Marko nicht. "Sebastian war nach dem Rennen bedrückt. Er war selbst überrascht von seiner Radikalität, mit der er herangegangen ist." Ein wenig Tadel gab Marko seinem Musterschüler aber mit auf den Weg: Er müsse "sein Ego ändern".

Geht es nach Ecclestone, dürfte sich der Vertrauensbruch in der Beziehung zwischen dem Deutschen und dem Australier auf den WM-Kampf auswirken. Vettel führt mit 40 Punkten vor Melbourne-Sieger Kimi Räikkönen im Lotus (31), Webber ist Dritter (26). "Vielleicht gibt es einen Punkt, wenn er gern die Hilfe von Mark hätte", sagte Ecclestone. " Ich denke nicht, dass Mark dann kommt und das auch macht."

So erledigt wie für Marko dürfte sich die Sache für Webber trotz Handshake nicht haben. Diesen Schluss lassen Aussagen von Alan Webber, dem Vater des 36-Jährigen, zu. "Sebastian hat die Anweisung missachtet, und die meisten im Team, wenn nicht alle, sind enttäuscht von ihm", sagte Webber senior. "Mark hat in der Boxengasse kein bisschen an Glaubwürdigkeit verloren, Sebastian wahrscheinlich eine ganze Menge." Gerüchte, dass sein Sohn auf das nächste Rennen in Schanghai verzichten werde, zerstreute Alan Webber. "Wir werden dabei sein." (krud, sid - DER STANDARD, 27.3. 2013)

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    Formel-1-Boss Bernie Ecclestone äußerte Verständnis für Sebastian Vettel. "Er beschäftigt sich nicht damit zu verlieren."

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