Höchste Entscheidungen zur Homo-Ehe

26. März 2013, 18:53
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Der Supreme Court der USA nahm die Beratungen in zwei Grundsatzfällen auf

Man muss schon richtig brennen für eine Sache, wenn man die Nächte bei Minusgraden, in einem rekordverdächtig kalten Washingtoner Frühling, draußen in einem Schlafsack verbringt. Sabrina Canela trägt fünf Pullis übereinander, sie liegt auf einer wärmenden Isoliermatte, eine extrastarke Plastikplane soll sie vor dem grauslichen Schneeregen schützen. Es hilft alles nicht viel, ihre Lippen sind blaugefroren, die Stimme zittert. "Es geht ums Prinzip", sagt die Studentin, Tochter mexikanischer Einwanderer, die in Arizona eine neue Heimat fanden. Ihre Eltern seien ihrer braunen Haut wegen oft diskriminiert worden, deshalb zeige sie Flagge, wo immer es Menschen ähnlich ergehe, sei es wegen der Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung. "Schwulenrechte sind Bürgerrechte."

Zwei Nächte campieren

Schon am Donnerstag kam der Erste, um vor der prächtigen Säulenkulisse des Supreme Court sein Zelt aufzuschlagen. 100 Plätze im Saal sind für Zuschauer reserviert. Wer nicht zwei Nächte zuvor vor dem Gerichtsgebäude campierte, hatte keine Chance, einen davon zu ergattern, bei einer Verhandlung dabei zu sein, die Anhänger und Gegner der Homo-Ehe gleichermaßen historisch nennen. Es geht darum, ob der Staat einen solchen Lebensbund steuerlich benachteiligen darf.

Die Klägerin, eine Computerprogrammiererin namens Edith Windsor, hat 44 Jahre lang mit der Psychologin Thea Spyer zusammengelebt. Im Mai 2007 heirateten die beiden im kanadischen Toronto. In ihrer Heimatstadt New York war eine solche Hochzeit damals noch nicht erlaubt. Bevor Thea Spyer 2009 starb, vermachte sie Edith Windsor ihre Anteile am gemeinsamen Immobilienbesitz, einem Ferienhaus und einem Apartment in Greenwich Village, beste Stadtlage in Manhattan.

Windsor musste 363.053 Dollar Erbschaftssteuer zahlen; wäre sie mit einem Mann verheiratet gewesen, hätte sie keinen Cent zu zahlen brauchen. Deshalb legte sie Einspruch ein - und nun muss das Oberste Gericht ein Grundsatzurteil zu fällen.

Seitdem hat sich die Stimmung dramatisch gewandelt. Nach einer Umfrage der Washington Post plädieren inzwischen 58 Prozent aller Amerikaner für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften, in der Altersgruppe unter 30 sind es sogar vier Fünftel. Bill Clinton, der das Ehe-Verteidigungs-Gesetz als Präsident signierte, ließ erkennen, wie sehr er dies nun bedauert.

Republikanisches Outing

Mit Rob Portman, einem Senator aus Ohio, wechselte jüngst ein prominenter Republikaner die Seiten, nachdem sich sein 21-jähriger Sohn zu seiner Homosexualität bekannt hatte. Neun Bundesstaaten, die meisten im liberalen Nordosten, sowie der Hauptstadtbezirk District of Columbia haben die Homo-Ehe legalisiert. In 31 anderen, zumeist im Bibelgürtel des Südens sowie im Mittleren Westen, ist ihr Verbot dagegen explizit in lokalen Gesetzen verankert.

Die kulturelle Spaltung des Landes: Auch das kleine Zeltlager auf dem Bürgersteig vorm Gericht spiegelt sie wider. Drei Plätze vor Sabrina Canela bibbert Jason Jennings, aus Louisiana, unter drei dicken Decken. " Die Ehe ist allein eine Sache von Mann und Frau, so war es immer, und so muss es bleiben", sagt Jennings.

Bereits am Dienstag beschäftigte sich das Oberste Gericht mit der Frage, ob das Referendum, mit dem Kalifornien 2008 die Legalisierung der Homo-Ehe knapp abgelehnt hatte, verfassungskonform ist. Mit einem Urteil ist, genau wie im Falle der Klage Edith Windsors, erst im Juli zu rechnen. (Frank Hermann, DER STANDARD, 27.3.2013)

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    Befürworter und Gegner der Homo-Ehe demonstrierten am Dienstag vor dem Supreme Court in Washington.

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