Kleine Entlastungen für Kleinstunternehmer

26. März 2013, 17:19
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Wochengeldbezieher sind von der Sozialversicherung künftig befreit. Die Last an Steuern wird planbar. Auf große Reformen müssen Selbstständige aber warten

Wien – Ob Fotografen oder Psychotherapeuten, Bauarbeiter, Consulter, Journalisten, Grafiker oder Altenpfleger: Das Heer der Selbstständigen in Österreich wächst – viele unter ihnen arbeiten in prekären finanziellen Verhältnissen. Große Reformen, um die Kleinstunternehmer spürbar zu entlasten, wurden dem Sparpaket geopfert. In kleineren Dosen zeichnen sich rund um die Sozialversicherung dennoch Erleichterungen ab.

Ende April will der Nationalrat vier Änderungen beschließen, die teils im Juli, teils im kommenden Jahr in Kraft treten. Betroffen sind zum einen Einzelkämpferinnen, die in Kinderkarenz gehen und Wochengeld erhalten. Für den Zeitraum des Bezugs sind sie ab dem Sommer, vorausgesetzt sie stellen ihr Gewerbe derweil ruhend, vom Sozialversicherungsbeitrag befreit.

Dass der Verlust des Gewerbescheines für Kleinbetriebe problematisch sei, glaubt SVA-Chef Peter McDonald nicht, zumal es nur um 16 Wochen gehe. In der Zeit, in der Kinderbetreuungsgeld bezogen werde, könne man künftig zudem Teilzeit arbeiten, ohne Sozialversicherung zahlen zu müssen. Voraussetzung dafür ist aber ein Einkommen, das 4640 Euro im Jahr nicht überschreitet.

Ab Jänner soll es eine Überbrückungshilfe bei finanzieller Notlage geben. Und Jungunternehmer, die bei der SVA mit Beitragsnachzahlungen kämpfen, müssen ihre Außenstände dann nicht mehr innerhalb eines Jahres begleichen: Schulden können zinsenfrei auf drei Jahre aufgeteilt werden. Eine neue App soll das böse Erwachen im verflixten vierten Jahr nach der Firmengründung verhindern, verspricht McDonald: Über einen Online-Rechner lasse sich die Höhe der bevorstehenden Sozialversicherung und Einkommenssteuer ermitteln. Ziel sei, sagt McDonald, mit entsprechendem neuem Werkzeug die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken.

Mehr begeistern als eine neue App würde es ihn, so Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, wäre die SVA-Abrechnung so gestaltet, das man sie auch verstehen könne. Die neuen Maßnahmen seien zu begrüßen, man signalisiere Aktivität. Sie alle ließen sich freilich leicht und billig in die Wege leiten – substanzielle Reformen der Selbstbehalte und Mindestbeiträge blieben nach wie vor unerledigt. Er verstehe die Kritik, die Wahrheit liege in der Mitte, sagt McDonald. Das Sparpaket ha- be das Budget massiv geschmälert. "Wir bemühen uns, die Versicherten das nicht spüren zu lassen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 27.3.2013)

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