Eisberge, Handflächen und was sie verbindet

26. März 2013, 17:05
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Katharina Lackner ist mit der Ausstellung "this line becomes mine" im Kubin-Haus

Linz - Alles hier verweist aufeinander - nimmt Bezug auf die Künstlerin und auch auf den jeweiligen Betrachter. Katharina Lackner erzeugt, entdeckt, verfolgt Linien und bringt sie zu Papier.

Teile der Ausstellung this line becomes mine hat die 32-Jährige zwar bereits vor einem Jahr im Weißen Haus in Wien präsentiert, für das Kubin-Haus erweitert sie die Schau allerdings um Arbeiten, die während eines Artist-in-Residence-Aufenthaltes in Schanghai entstanden sind: Schuppenornamente, mit Tusche auf Reispapier gezeichnet, die in der Überlagerung Ferne ausdrücken und Horizont erzeugen; oder eine Gruppe kleiner, zarter Papierdrachen, die an dünnen Fäden im Boden verankert sind.

Die Weite, der Weg und die Linie, die verbindet wie auch gleichzeitig wegführt - das sind zentrale Themen in Katharina Lackners Arbeiten. Ein Sehnsuchtsraum, der nicht nur versprochen, sondern erfüllt wird durch die Leichtigkeit, mit der die Künstlerin bei aller thematischen Schwere ihre Arbeiten ausführt. Ein Vexierbild - bestätigt sie im Gespräch: zwei Bilder, beide sind wahr und erzählen ihre Geschichte, sie bedingen sich und funktionieren doch eigenständig.

Gleichzeitig fragile und doch absolute Behauptungen sind Lackners Arbeiten. Wenn sie im titelgebenden Werk der Ausstellung, einer Kartografie, auf der die Handballen der Künstlerin zu Eisbergen werden, Linien zieht zwischen ebendiesen Eisbergen und anderen geografischen Darstellungen - ist das auch die Abbildung eines weitverzweigten Lebenszustands. Demzufolge große Bedeutung nehmen jene Linien ein, die sich in Falten manifestieren, wie Lackner im Titel der Schau erkennen lässt.

Die Linie wird einerseits Teil der Künstlerin, im Umkehrschluss verleiht die Künstlerin der Linie aber erst Leben. Romantische Bilder entwirft sie hier, betont auch Landesgaleriechefin Gabriele Spindler in ihrer Eröffnungsrede, allerdings subtiler und selbstbewusster als andere Künstler ihrer Generation.

Ein Saisonstart im Kubin-Haus in Zwickledt, mit dem Gabriele Spindler der den oberösterreichischen Landesmuseen zugehörigen Institution einen wichtigen Impuls verleiht. Räumlich ist das ehemalige Wohnhaus Alfred Kubins ohnehin (aus Linzer oder Wiener Perspektive jedenfalls) etwas abgelegen - in Zwickledt nahe der Grenzstadt Schärding. Unter anderem folgen heuer noch Einzelausstellungen von Isa Riedl und Ferdinand Götz. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 27.3.2013)

Katharina Lackner, "this line becomes mine", Kubin-Haus, bis 14. 4.

  • Kunst des Diskreten: "This line becomes mine", 2012.
    foto: lackner

    Kunst des Diskreten: "This line becomes mine", 2012.

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