Höchste Steuerlast für mittlere Einkommen

26. März 2013, 18:08
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In nur drei Ländern, darunter Österreich, zahlen Topverdiener weniger Abgaben als Bezieher mittlerer Einkommen

Wien - Bei den Gewerkschaften stößt die Regelung seit Jahren auf Kritik. Für Einkommen über der Höchstbeitragsgrundlage (derzeit 4440 Euro im Monat) müssen in Österreich keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden. Die Folge: Die Abgabenlast (also Steuern und Sozialversicherung) fällt bei Topverdienern niedriger aus als bei mittleren Einkommen.

Wie sich nun in einem von der OECD erstmals durchgeführten Vergleich zeigt, gibt es eine solche Entwicklung in nur zwei weiteren Industrieländern - in Deutschland und in Spanien. In allen anderen 33 untersuchten Staaten steigt die Abgabenlast kontinuierlich mit der Einkommenshöhe.

Berücksichtigt wurden sowohl die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber. Pauschale Steuerabzüge - etwa für Werbungskosten - wurden ebenso eingerechnet wie Transferzahlungen (Kinderbetreuungsgeld, Familienbeihilfe).

Geldleistungen an Eltern führen in Österreich auch dazu, dass die Abgabenlast für diese Gruppen niedriger ausfällt. Ein Ehepaar mit zwei Kindern kommt  im Schnitt, also bei einem Bruttojahreseinkommen von 40.855 Euro pro Person, auf eine Abgabenlast von 38 Prozent. Die höchste Last haben Eltern mit einem Jahreseinkommen von rund 59.200 Euro zu tragen (45 Prozent), danach sinkt die Quote wieder, allerdings nur ganz leicht, auf 44,9 Prozent. Mehr oder weniger ident ist die Entwicklung bei Alleinerziehern mit zwei Kindern (siehe Grafik).

Deutlich höhere Beiträge hebt der Staat von alleinstehenden Arbeitnehmern ein. Sie kommen im Schnitt schon auf eine Abgabenquote von 48,9 Prozent. Wer auf ein Jahreseinkommen von 59.200 Euro brutto kommt, muss bereits mehr als die Hälfte, konkret 52,5 Prozent, an den Fiskus und die Krankenkasse abliefern. Danach sinkt die Abgabenlast wieder. Wer als Alleinstehender einen Arbeitgeber gefunden hat, der mehr als 100.000 Euro im Jahr zahlt, liefert 49,6 Prozent an Steuern und Abgaben ab.

63 Prozent in Belgien

Andere Staaten verlangen ihren Spitzenverdienern noch deutlich mehr ab. Die mit Abstand höchste Abgabenquote weist Belgien aus. Alleinverdiener im obersten Segment müssen dort 63,4 Prozent an den Staaten abliefern. Es folgen Italien, Frankreich und Schweden mit Quoten von 56 Prozent. Mehr als österreichische Spitzenverdiener müssen auch jene in Slowenien, Griechenland und Ungarn (jeweils rund 51 Prozent) bezahlen.

Noch nicht berücksichtigt wurde in der OECD-Aufstellung der in Österreich beschlossene Solidarbeitrag für Reiche. Er ist erst mit 1. Jänner 2013 in Kraft getreten. Auswirkungen auf den Vergleich hätte er aber ohnehin nicht gehabt. Die OECD-Statistik vergleicht nämlich nur Jahreseinkommen bis knapp über 100.000 Euro. Der Solidarbeitrag in Österreich setzt aber erst ab einem Jahreseinkommen von 185.920 Euro ein. Bei Einkommen darüber fällt sukzessive der Steuervorteil für das 13. und 14. Gehalt weg. Bei einem Bruttogehalt von 630.000 Euro fallen beispielsweise gut 17.000 Euro Solidarbeitrag an. (go, DER STANDARD, 27.3.2013)

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    grafik: der standard
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