Schleichwerbung-Verdacht: PR-Ethikrat rügt "Krone" und "Krone bunt"

26. März 2013, 12:26
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Verschreibungspflichtiges Arzneimittel und Costa-Kreuzfahrten betroffen

Wien - Der PR-Ethikrat rügt die "Krone" und "Krone bunt". Eine Rüge betrifft die Berichterstattung zu einem verschreibungspflichtiges Arzneimittel, die zweite einen Artikel zu Costa-Kreuzfahrten.

In der "Krone"-Beilage "Gesund & Familie" erschien am Samstag, 17. Dezember 2011 im Rahmen der Serie "Wie wirkt was?" der Artikel "Pradaxa(R): Blutverdünnung bei Vorhofflimmern". In diesem Bericht werde auf die Gefahren eines Blutgerinnsels für Patienten mit Vorhofflimmern hingewiesen und die blutverdünnende Wirkung des "Wirkstoffes Dabigatran (enthalten in Pradaxa(R))" ausführlich beschrieben. Andere Medikamente würden nicht genannt. Der Beschwerdeführer vermutete hier Schleichwerbung, bei dem Artikel wurde laut Ethikrat "gänzlich auf eine Kennzeichnung verzichtet".

"Krone" weist Vorwürfe zurück

Die "Kronen Zeitung" wies die Schleichwerbungs-Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Auch der betroffene Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sagte, man habe "den Beitrag weder in die Wege geleitet, bezahlt oder sonst in irgendeiner Form darauf Einfluss genommen". Für den Ethikrat erweckt die Gestaltung des Bericht aber den Anschein, dass er nicht rein journalistisch motiviert sei. So sei es "journalistisch fragwürdig und nicht objektiv, den spezifischen Markennamen eines ausgewählten Medikaments in fetter Schrift im Titel einer Geschichte einzusetzen und dieses Arzneimittel darüber hinaus in dem Artikel als einziges zu erwähnen, wenn tatsächlich nur über Indikationen berichtet wird, für die mehrere Wirkstoffe bekannt sind".

Schleichwerbungs-Verdacht bei Kreuzfahrtveranstalter

Der Ethikrat sprach auch eine Rüge für die "Krone bunt" und Costa-Kreuzfahrten aus. In der Ausgabe vom 30. Oktober 2011 sei unter dem Titel "Kreuzfahrt: Wunderschöne Ziele im neuen Kleid!" über die Umgestaltung der "Costa Romantica" zur "Costa NeoRomantica" berichtet worden. Der Artikel lobe unter anderem ein konkretes, mit Preisen versehenes Kreuzfahrtangebot aus. In 18 Zeilen würde der Name "Costa" bzw. "Costa neoRomantica" siebenmal erwähnt.

Finanzielle Zuwendungen vermutet

"Diese Fakten legen die Vermutung nahe, dass es sich um einen Bericht handelt, der im Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen steht. Untermauert wird der Verdacht durch ein auf Seite 79 platziertes Inserat von Costa-Kreuzfahrten", so der Ethikrat. Der Reiseveranstalter gibt in seiner Stellungnahme an, regelmäßig Anzeigen in der "Krone bunt" zu buchen. Kurz vor Erscheinen der genannten Ausgabe wurde eine Pressemeldung verschickt, in der auch Informationen zur "Costa neoRomantica" enthalten waren. Seitens der "Krone bunt" liege keine Stellungnahme vor.

"Der redaktionelle Bericht ist nicht gekennzeichnet und entspricht in seiner optischen Aufmachung den anderen Beiträgen in der 'Krone bunt'. Für die Leserinnen und Leser ist nicht erkennbar, ob er in Zusammenhang mit finanziellen Zuwendungen steht, obwohl die äußeren Umstände dies bei sorgfältiger Betrachtung nahelegen", so der Ethikrat. (red, derStandard.at, 26.3.2013)

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