Menschenhandel mit bis zu 70 Frauen in Innviertler Bordellen aufgedeckt

26. März 2013, 09:54
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Junge Frauen aus der Slowakei sollen mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt worden sein

Linz/Zilina - Die Polizeibehörden in der Slowakei und Österreich haben gemeinsam einen großangelegten Menschenhandel aufgedeckt und die zwei Hauptverdächtigen festgenommen. Seit 2011 sollen an die 70 junge Frauen aus der Slowakei mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt und dann zur Prostitution in Bordellen im Innviertel gezwungen worden sein. Das gab die Pressestelle der Landespolizeidirektion Oberösterreich am Dienstag in einer Presseaussendung bekannt.

Die Polizei hatte die Verdächtigen schon seit längerem gesucht. Anfang März wurden in einer internationalen Polizeiaktion acht Personen in der Slowakei festgenommen, darunter die beiden Hauptverdächtigen, ein 41- und ein 42-jähriger slowakischer Zuhälter.

Ermittlungen im Rotlichtmilieu

Auf die Spur der Menschenhändler stießen die Beamten des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Oberösterreich bereits vor rund eineinhalb Jahren. Damals erhärtete sich der Verdacht, dass Bordellbetreiber im Innviertel ausländische Frauen als Sexarbeiterinnen in ihren Bordellen ausbeuten.

Eine wesentliche Rolle bei der Aufdeckung der Affäre spielte der "Verkauf" einer polnischen Sexarbeiterin. Ihre Zuhälter sollen von einem 45-jährigen Salzburger, der sich in eine der Frauen verliebt hatte und sie aus dem Rotlichtmilieu holen wollte, 58.000 Euro verlangt haben. Sie drohten auch damit, die Frau an eine ausländische Gruppe zu übergeben. Der verliebte Freier zahlte schließlich die geforderte Summe.

Frauen sagten als Zeuginnen aus

Doch die "Freigekaufte" konnte zusammen mit anderen slowakischen Frauen aus den Bordellen flüchten, sie sagten bei der Polizei auch als Zeuginnen aus. Danach nahmen die oberösterreichischen Kriminalisten Kontakt mit ihren slowakischen Kollegen auf und ermittelten mit ihnen gemeinsam. Darauf zogen sich die Verdächtigen aus dem österreichischen Rotlichtmilieu zurück und betrieben Bordelle nur noch in ihrer Heimat. Zuletzt stellte sich heraus, dass seit mindestens 2001 und bis 2009 zwischen 50 und 70 fast ausschließlich junge Frauen aus der Slowakei mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt wurden, die hier als Sexarbeiterinnen arbeiten mussten.

Die internationale Polizeiaktion zur Festnahme der acht Verdächtigen wurde von den Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis und der Staatsanwaltschaft in der nordwestslowakischen Stadt Zilina geleitet. Den Verdächtigen werden grenzüberschreitender Prostitutionshandel, schwere Erpressung, Menschenhandel, schwere Nötigung und Freiheitsentziehung vorgeworfen. Sie sitzen in der Slowakei in Untersuchungshaft. (APA, 26.3.2013)

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