Blumen und Farben für die Witwen Indiens

Ansichtssache26. März 2013, 09:17
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Ein Holi-Fest der besonderen Art wurde am vergangenen Sonntag in Vrindavan im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh in Indien gefeiert. Hier leben tausende Witwen, die in den Straßen der Tempelstadt ein neues Zuhause gefunden haben, nachdem sie von ihren Familien verstoßen wurden. Viele von ihnen haben lange Reisen hinter sich, deren Ziel es ist, ein friedliches Leben zu führen oder der Einsamkeit zu entfliehen.

Ältere Frauen in weißen Saris bevölkern die Tempelstadt Vrindavan, wo Krishna der Legende nach aufwuchs. Hier suchen die Witwen den Schutz, den ihnen die indische Gesellschaft oft nicht bietet. An Vrindavan scheint der Fortschritt, der in Indien überall spürbar ist, vorübergegangen zu sein. Die Zeit scheint stehen geblieben, Traditionen und alte Bräuche werden hochgehalten. Die Witwen verbringen hier ihr Leben in der Hoffnung, nach dem Tod Krishna zu treffen. Er ist oftmals ihre einzige Hoffnung, an die sie sich in ihrer Situation als Ausgestoßene der Gesellschaft klammern.

Uralte Barrieren überwinden

Traditionellerweise wird das Holi-Fest in Mathura, wo Krishna angeblich geboren wurde, und in Vrindavan früher gefeiert als im Rest des Landes. Jeder der zahlreichen Tempel in Vrindavan feiert das Fest auf seine spezielle Weise. Nun wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt ein Fest nur für die Witwen veranstaltet. Die NGO Sulabh organisierte am 24. März Feiern für die Frauen, bei denen hunderte Blumen zum Einsatz kamen. Mit dem Fest wurden jahrzehntealte Barrieren überwunden, denn zum ersten Mal nahmen die Witwen an den Feiern teil. Sie teilten Essen mit Besuchern, was ebenfalls ungewöhnlich ist für die Witwen, die hier leben.

Sulabh-Gründer Bindeshwar Pathak erklärte, dass die Feiern dabei helfen sollen, die gesellschaftliche Stellung der Witwen zu verbessern und ihre Wiedereingliederung zu fördern. Allerdings räumte er ein, dass derartige Feiern erst mit der Zeit in den Köpfen der Menschen zur Normalität würden, da Witwen traditionellerweise beim Holi-Fest keine Rolle spielen.

Veränderungen einer Gesellschaft

Sulabh setzt sich für bessere medizinische Versorgung, Fortbildung und eine Art Witwenpesion für die ausgestoßenen Frauen ein. Heutzutage wählen Frauen nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr automatisch den eigenen Tod, wie früher. Aber ihr Leben ohne Ehemann ist schwierig, und die meisten suchen Schutz bei Krishna und versuchen den Schmähungen durch die Gesellschaft zu entfliehen.

Holi ist das "Fest der Farben", das in ganz Indien, vor allem aber im Norden groß gefeiert wird. Bekannt ist das Fest vor allem durch den Brauch, sich gegenseitig mit Farbe zu bewerfen und zu bemalen. (red, derStandard.at, 26.3.2013)

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Sulabh International Social Service Organisation

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