Die große Riesenvogel-Ausrottung

25. März 2013, 20:01
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Auf tropischen Pazifikinseln lebten etliche zum Teil gigantische Vogelarten - Biologen kommen nun zum Schluss, dass der Mensch seit der Besiedlung der Eilande rund 1300 Arten ausgerottet hat

London/Wien - Die Südinseltakahe ist einer der selteneren Vögel der Welt und lebt ausschließlich auf der Südinsel Neuseelands. Dort existieren gerade einmal rund 250 der Rallenvögel, die so groß wie Hausgänse werden und wissenschaftlich nach einem Österreicher benannt sind: Porphyrio hochstetteri erinnert an den Geologen Ferdinand von Hochstetter, der 1859 einige Monate auf Neuseeland verbrachte, um die Insel zu vermessen.

Der damals 30-jährige Forscher, von dem auch die erste wissenschaftliche Beschreibung eines Tsunami-Ereignisses stammt, interessierte sich während seines Aufenthalts bei unseren Antipoden auch für die Fossilien von Moas - längst ausgerottete Riesenvögel, deren Weibchen über 200 Kilogramm schwer werden konnten.

Der Südinseltakahe drohte ein ähnliches Schicksal: 1882 wurde sie wissenschaftlich beschrieben, bereits zwölf Jahre später galt sie - nicht ganz zu Recht - als ausgestorben. Ihr Überleben ist freilich eine der großen Ausnahmen, wie Forscher um Tim Blackburn von der Zoological Society in London im Fachblatt "PNAS" berichten.

Das Zoologenteam untersuchte Fossilien von 41 tropischen Pazifikinseln wie Hawaii, Fidschi oder Neuseeland und verwendete neue Methoden, um zu errechnen, wie viele Vogelarten dort nach der Besiedlung durch den Menschen vor rund 4000 Jahren ausgestorben sind. Das Resultat ist ernüchternd: "Wenn wir alle Inseln im tropischen Pazifik mitzählen und auch alle See- und Singvogelarten, dann dürfte der Mensch ungefähr 1300 Vogelarten ausgerottet haben."

Unmittelbar nach der Ankunft des Menschen auf den Inseln kam es zur Zerstörung der bis dahin unberührten Paradiese: Wälder wurden abgeholzt und vor allem die flugunfähigen Vogelarten gejagt. Zu den ausgerotteten Arten zählten unter anderem Moa-Nalos, riesige flugunfähige Entenvögel auf Hawaii, oder Sylviornis neocaledoniae, eine rund 1,5 Meter große und 40 Kilogramm schwere Großfußhuhnart.

Für die Südinseltakahe hingegen gab es ein Happy End: 1948 wurde der bunt gefärbte Rallenvogel wiederentdeckt. Und dank eines Schutzprogramms gelang es, den Bestand der Tiere zu sichern, deren Zahl zuletzt sogar wieder leicht anstieg. (tasch, DER STANDARD, 26.3.2013)

  • Knapp der Ausrottung durch den Menschen entgangen: Die Südinseltakahe galt von 1894 bis 1948 als ausgestorben. Mittlerweile leben wieder 250 Tiere auf der Südinsel Neuseelands.
    foto: zsl

    Knapp der Ausrottung durch den Menschen entgangen: Die Südinseltakahe galt von 1894 bis 1948 als ausgestorben. Mittlerweile leben wieder 250 Tiere auf der Südinsel Neuseelands.

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