Michel Djotodia - Putsch-Führer mit politischem Ehrgeiz

Kopf des Tages25. März 2013, 18:18
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Ein Mann von großen politischen Ambitionen soll Michel Djotodia immer schon gewesen sein. Jetzt hat er es mithilfe von Waffengewalt an die Staatsspitze geschafft: Am Sonntag eroberte seine Rebellenallianz Séléka die zentralafrikanische Hauptstadt Bangui, am Montag erklärte sich Djotodia zum Präsidenten.

Die angekündigte Rede an die Bevölkerung verzögerte sich allerdings aufgrund technischer Schwierigkeiten: Ein lokaler Radiosender wurde geplündert, einem anderen fehlte Treibstoff für die Generatoren.

Allzu viel ist nicht bekannt über den bulligen Mann, der seinen Putsch in einem Interview mit Radio France Internationale als Sieg des zentralafrikanischen Volkes zu stilisieren versuchte. Geboren wurde er noch unter französischer Kolonialherrschaft in Vakaga im Nordosten des Landes. Er ist in seinen 60ern und begann seine berufliche Laufbahn als Funktionär im Staatsdienst, zunächst im Planungsministerium. Zweimal kandidierte er in seiner Heimatpräfektur für das Parlament, scheiterte aber.

Kurz nach der Machtübernahme des nun gestürzten Präsidenten François Bozizé 2003 schickte dieser ihn als Konsul in die Hauptstadt des westsudanesischen Bundesstaates Süddarfur, Nyala. Dort soll Djotodia mit tschadischen Rebellen in Kontakt gekommen sein, mit deren Hilfe er sich später zu einem der mächtigsten Rebellenführer in Zentralafrika entwickelte.

Er gilt als Gründer der Rebellengruppe Union Demokratischer Sammlungskräfte (UFDR), die im September 2006 ins Leben gerufen wurde und heute eine Hauptkomponente der Séléka-Rebellenkoalition darstellt. Noch im Herbst 2006 startete die UFDR eine Offensive. Djotodia, der sich zu diesem Zeitpunkt in Benin aufhielt, wurde dort auf Verlangen der Bozizé-Regierung verhaftet. Nach seiner Freilassung Monate später begab er sich erneut nach Süddarfur und lancierte dann weitere Rebellenaktivitäten.

In seiner Heimatregion gilt der extrovertierte Mann als Intellektueller. Er spricht mehrere Sprachen und hat in Russland studiert. Nach dem Friedensabkommen von Libreville im Jänner fungierte Djotodia als Vizeregierungschef für Verteidigung. Er selbst erklärte, es sei das schiere Elend gewesen, das ihn zu den Waffen habe greifen lassen. Unumstrittener Führer der Rebellen dürfte der Vater zweier Töchter allerdings kaum sein: Die in der Séléka vereinigten Gruppen haben außer der Feindschaft zu Bozizé kaum Gemeinsamkeiten. (Julia Raabe, DER STANDARD, 26.3.2013)

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    Michel Djotodia, selbst ernannter Präsident Zentralafrikas.

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