Steuerzahler werden geschont, Großkunden geschröpft

25. März 2013, 18:18
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Wie viel verlieren reiche Bankkunden und wie geht es mit der Wirtschaft des Inselstaates weiter?

Wie viel verlieren reiche Bankkunden und wie geht es mit der Wirtschaft des Inselstaates weiter: Die Antworten auf die Fragen nach der Zyperneinigung geben András Szigetvari und Lukas Sustala.

Frage: Ist der Zyperndeal fair?

Antwort: Aus Sicht der Steuerzahler ist er sicher vorteilhafter als bisherige Hilfspakete wie etwa jenes für Irland und für Spanien. Denn die Kosten für die Sanierung der maroden Banken werden nicht der Allgemeinheit aufgebürdet. Stattdessen werden Gläubiger und Eigentümer der zypriotischen Geldhäuser zur Kasse gebeten, was bei Unternehmenspleiten die

Regel sein sollte. Aus Sicht der meisten Sparer ist der Deal sicher fairer als die erste Vereinbarung Zyperns mit den Euroländern, weil Bankkunden, die auf die Einlagensicherung vertraut haben, nicht enttäuscht werden: Guthaben bis zu 100.000 Euro sollen keine Verluste erleiden. Vermögende Bankkunden zählen dagegen zu den Verlierern: Sie büßen weit mehr ein als die im Rahmen des ersten Zyperndeals vergangene Woche vereinbarten 9,9 Prozent.

Frage: Wie viel verlieren Kunden mit Einlagen jenseits der 100.000 Euro?

Antwort: Das hängt davon ab, bei welcher Problembank - Laiki oder Bank of Cyprus - man Kunde war. Laiki wird in zwei Teile aufgespalten. Die Good Bank wird aus den werthaltigen Teilen des Instituts befüllt, dazu zählen etwa Kredite. In diesen guten Teil werden auch Spareinlagen unter 100.000 Euro gelagert und das Institut wird in die Bank of Cyprus transferiert.

In der maroden Bad Bank dagegen werden faule Kredite und Kundeneinlagen jenseits der 100.000 Euro gelagert. Die Bad Bank wird versuchen Geld aus ihrem Portfolio zu machen, etwa indem sie Immobilien verkauft. Aus diesen Einnahmen werden dann Forderungen der Kunden bedient. Ökonomen schätzen, dass Großsparer rund 40 Prozent ihrer Guthaben verlieren. Im schlimmsten Falle könnten sie aber alles verlieren. Besser ist die Lage bei der Bank of Cyprus: Diese Bank muss ihr Eigenkapitalpolster stärken. Dafür werden Aktionäre und Gläubiger herangezogen. Erst wenn das nicht reicht, kommen die Sparer dran. Experten rechnen mit Verlusten um die 30 Prozent.

Frage: Was bedeutet die Einigung für Zyperns Wirtschaft?

Antwort: Das Geschäftsmodell der zypriotischen Banken ist am Ende - die Institute müssen auf die Hälfte ihrer Größe schrumpfen. Allein bei der Laiki könnten 2000 Jobs verloren gehen. Die Schrumpfkur für den Bankensektor wird die Wirtschaft treffen. Die EU-Kommission schätzte im Februar noch, dass Zyperns Wirtschaft 2013 um 3,5 Prozent schrumpfen wird. Doch Gabriel Sterne, Ökonom bei Exotix, rechnet damit, dass die zyprische Wirtschaft 2013 und 2014 um 18 Prozent einbrechen könnte. "Die Banken-Restrukturierung wird desaströs auf die Wirtschaft wirken, die bestehende Kreditklemme im Land wird sich noch verschärfen."

Frage: Zahlen reiche Russen mit?

Antwort: Sofern sie Konten bei Laiki oder der Bank of Cyprus hatten, ja. Im Gegensatz zur ersten Vereinbarung sind aber Kunden von anderen Kreditinstituten (etwa Russian Commercial Bank), nicht betroffen, weil diese als solvent gelten. Die russische Regierung hat das besänftigt: Zypern hatte Russland um eine Erleichterung bei der Rückzahlung eines 2, 5-Mrd.-Euro-Kredites gebeten, Präsident Vladimir Putin stimmte dem am Montag zu. (András Szigetvari und Lukas Sustala, DER STANDARD, 26.3.2013)

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    Der Branchenprimus Bank of Cyprus wird gerettet.

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