Parlamentssanierung: Die So-circa-Baustelle

Kommentar25. März 2013, 18:17
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Das Hohe Haus hat es geschafft, eine Vielzahl von Architekten zu verschleißen

Einige Bauteile sind morsch und durchgerostet, Aufzüge und Stiegenhäuser sind bereits gesperrt: Die kürzlich einberufene Architektenkommission, die sich in den kommenden Monaten um die Auswahl eines Generalplaners für den Parlamentsumbau kümmern wird, spricht sogar von einem "Totalschaden" hinter den Kulissen.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist ein Spiegel des in diesem Land gelebten Parlamentarismus - eine andere Baustelle. Dass es das Hohe Haus jedoch geschafft hat, eine ganze Vielzahl von Architekten und Architekturbüros für Wettbewerbe, Machbarkeitsstudien und Gutachten zu verschleißen, ohne dass bisher ein konkretes Projekt auf dem Tisch liegt, ist nicht nur Verschwendung von kreativen Ressourcen, sondern auch von Steuergeldern.

Zur Erinnerung: 2008 hatte der Linzer Architekt Andreas Heidl den Wettbewerb für den Umbau des Nationalratssitzungssaals gewonnen. Erst danach kam dem Parlament der Gedanke, dass es doch klug wäre, ob der Baufälligkeit nicht nur einen Saal, sondern das ganze Haus zu sanieren.

Jetzt also ein "Auswahlverfahren mit wettbewerbsähnlichem Charakter". Das zweistufige Verfahren mit schwammiger Definition lässt befürchten, dass es ähnlich schwammig weitergehen wird. Frühester Baubeginn? So circa 2016. Bauvolumen? So circa maximal 400 Millionen Euro. Fragt sich nur: Welches Licht wirft es auf Österreich, wenn die Sanierung des wichtigsten Bauwerks der Republik in der Abwicklung derartige Brösel macht? Konkret: kein gutes. (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 26.3.2013)

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