"Frau Gaddafi" ist aus Algerien verschwunden

25. März 2013, 18:32
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Ägypten und Marokko liefern verhaftete Mitglieder des alten Regimes an Libyen aus

Tripolis/Wien - Dass Bewegung in diverse Auslieferungsfälle von libyschen Regimemitgliedern gekommen ist, die in nordafrikanischen Ländern Zuflucht gefunden hatten, war wohl der Anstoß: Jedenfalls sind Muammar al-Gaddafis Witwe Safia Farkash und die Gaddafi-Kinder Aisha, Hannibal und Mohammed (Letzterer aus der ersten Ehe Gaddafis) aus Algerien verschwunden. Nach algerischen Angaben ist ihre Abreise bereits vor einiger Zeit erfolgt, bekannt wurde sie vor wenigen Tagen.

Wohin sie weitergezogen sind, ist nicht bekannt. Mehrere Länder haben Asyl angeboten, unter anderem Oman und Venezuela. Aisha al-Gaddafis israelischer Anwalt, Nick Kaufman, sagt dazu nichts und bestätigt nur, dass er nach wie vor beauftragt bleibt, beim Internationalen Strafgerichtshof eine Untersuchung wegen der Tötung von Muammar al-Gaddafi bei seiner Festnahme im Oktober 2011 zu erwirken.

Nur Saif al-Islam in Haft

Von den Gaddafi-Söhnen haben drei den Aufstand nicht überlebt, ein weiterer, Saadi, ist in Niger. Nur Saif al-Islam ist in Libyen in Haft - in der Stadt Zintan, die sich weigert, ihn den Behörden in Tripolis herauszugeben. Safia, Mohammed und Aisha waren im August 2011 nach Algerien geflohen, Aisha hatte zuvor ihren Mann und zwei Kinder bei einem Nato-Bombardement verloren, kurz nach ihrer Ankunft in Algier bekam sie ein Kind.

Von Saad al-Gaddafi, der ebenfalls von Nick Kaufman vertreten wird, heißt es, dass er sich bemüht, sein Reiseverbot in Niger aufheben zu lassen, um nach Südafrika ins Exil zu gehen. Ausliefern will ihn die Regierung in Niamey nicht. Auch Algier hatte sich geweigert, dem Wunsch Tripolis' nachzukommen.

Warten auf die Auslieferung

Dort wartet man nun auf die Auslieferung von drei letzte Woche in Kairo festgenommenen Vertrauten Gaddafis, darunter sein Cousin Ahmed Gaddaf al-Dam, der bei seiner Verhaftung das Feuer auf Polizisten eröffnete - was seine Übergabe herauszögern dürfte, denn nun ermitteln auch die Ägypter gegen ihn. Eine ägyptische Anwältin bemüht sich auch zu beweisen, dass er eigentlich ägyptischer Staatsbürger sei.

Arabische Medien spekulieren jedoch, dass die Behörden in Kairo dem Wunsch der Regierung in Tripolis allein schon deshalb rasch entgegenkommen dürften, weil Libyen vorhat, in die marode ägyptische Wirtschaft zwei Milliarden Dollar zu investieren und Ägypten billiges Öl zu liefern. Allerdings stellte Tripolis am Montag klar, dass die Milliardenhilfe noch durchs Parlament müsse.

Auch Marokko hat am Wochenende einen Libyer überstellen lassen: Ayman Abdelhamid Al-Sayeh, Sohn des Inlandgeheimdienstchefs Abdelhamid Suleiman al-Sayeh und selbst Geheimdienstler. Rabat hat noch andere Gaddafi-Leute in Gewahrsam, aber bisher noch niemanden ausgeliefert.

In Libyen ist Premier Ali Zeidan im Parlament in Kritik geraten, weil er den Namen von Mitgliedern der Gaddafi-Familie die Anrede "Frau" oder " Herr" voranstellt. Laut Libya Herald wehrte sich Zeidan mit dem Hinweis, als Ministerpräsident Libyens müsse er alle Libyer respektvoll behandeln, auch die Gaddafis. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 26.3.2013)

  • Safia Farkash, Witwe von Muammar al-Gaddafi, auf einem Archivbild.
    foto: epa/nelson

    Safia Farkash, Witwe von Muammar al-Gaddafi, auf einem Archivbild.

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