Tagesmütter: Neun Länder, neun Standards

  • Tagesmütter dürfen Kindergruppen mit maximal drei bis acht Kindern beaufsichtigen, je nach Alter - und je nach Bundesland.
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    Tagesmütter dürfen Kindergruppen mit maximal drei bis acht Kindern beaufsichtigen, je nach Alter - und je nach Bundesland.

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Vor allem am Land erfüllen Tagesmütter und -väter wichtige Betreuungsfunktionen. Welche Vorgaben sie einzuhalten haben, schreibt das Bundesland vor

Psychische Gesundheit und ein eigenes Kind fordert das Land Niederösterreich von seinen Tageseltern, die maximal 50 Jahre alt sein dürfen. Tirol reicht dagegen eine entsprechende Aus- bildung sowie die Betreuung durch die Plattform der Tagesmüttereinrichtungen. In Vorarlberg ist eine - freilich nicht näher definierte - "stabile Lebenssituation" ein Muss.

Bei der Raumsituation geht es mit den unterschiedlichen Regeln weiter: Das Burgenland schreibt "geeignete Platzverhältnisse" vor, Kärnten dagegen eine eigene Wohnung oder ein Haus, das Hygieneerfordernissen entsprechen muss. Nur Salzburg wird spezifisch, dort sind mindestens 30 Quadratmeter Fläche für die Betreuung vorgeschrieben.

Heftiges Feilschen um Plätze

Neun Länder, neun Standards für Tagesmütter und -väter, die oft zwischen Elternkarenz und Kindergartenalter als Betreuer der Kleinsten fungieren. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo es zu wenig Krippen oder Kindergärten gibt. Besonders häufig ist das im ländlichen Raum der Fall - wegen angeblich nicht vorhandenen Bedarfs oder auch, weil Gemeinden sich nicht zur Kooperation bei der Einrichtung und Finanzierung von Kindergärten durchringen können. Um die Plätze wird oft heftig gefeilscht.

Die verschiedenen gesetzlichen Vorgaben wurden im Büro von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zusammengetragen. Diesen dem Standard vorliegenden Daten zufolge verbringen zwei Prozent der Null- bis Zweijährigen Zeit bei Tageseltern. Von den Drei- bis Fünfjährigen sind es 1,7 Prozent der Kinder. In Niederösterreich greifen mit Abstand die meisten Eltern darauf zurück.

In fast jedem Bundesland ist dafür ein einwandfreier Strafregisterauszug und eine absolvierte Ausbildung für Kindertagesmütter oder -väter Voraussetzung. Welche Ausbildung in welchem Umfang zu absolvieren ist, unterscheidet sich allerdings sehr.

Jugendamt entscheidet

So sind in Oberösterreich eine bestandene Eignungsprüfung der Bezirksverwaltungsbehörde, Eignungsgespräche und Hausbesuche des zuständigen Tageselternvereins vorgesehen. Ein von einem Sozialarbeiter bestätigtes stabiles familiäres Umfeld schreibt das Burgenland vor. Im steirischen Landesgesetz ist lediglich die Rede von "Verlässlichkeit". Die Zulassung als Tagesmutter unterliegt dem Jugendamt.

Im Sommer 2011 hat Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ein Curriculum für die Tagesmütter-Ausbildung vorgestellt, mithilfe dessen die Standards in den verschiedenen Bundesländern vereinheitlicht werden sollen - es handelt sich dabei aber bloß um Empfehlungen. Tageseltern sind durch und durch Ländersache.

Werden bei der Ausbildung von Tagesmüttern die Kriterien des Bundes erfüllt, erhält der Träger ein Gütesiegel - und mehr Förderung. Das Curriculum sieht mindestens 220 Stunden theoretische und 80 Stunden praktische Ausbildung vor. Neun der 37 Träger verfügen über das entsprechende Gütesiegel. Eine Anstellung oder eine Kooperation mit einem Träger auf selbstständiger Basis ist keine Voraussetzung; Allerdings setzen Organisationen wie das Hilfswerk zusätzliche Qualitätsstandards und bieten die Möglichkeit zum Austausch.

Niemand ist zum Reden da

Dieser ist gesetzlich nicht vorgesehen, jeder werkelt für sich - ein großes Manko, findet Christine Holubek, früher Tagesmutter im niederösterreichischen Perchtoldsdorf und heute Kindergruppenbetreuerin in Wien. Sie hat sich vorgenommen, eine Plattform für die Vernetzung der Tageseltern aufzubauen. "Es ist ein großes Problem, dass man als Tagesmutter oft niemanden zum Reden hat", sagt Holubek. Das betreffe vor allem jene Tageseltern, die auch nicht zu einem größeren Verein gehören.

Diese schreiben oft eigene Kriterien für die Gruppengrößen vor. Wenigstens in dieser Kategorie sind auch die Landesgesetze detailliert: So können bis zu fünf Kinder in Vorarlberg beaufsichtigt werden, außer ein Kind ist unter drei Jahre alt - dann dürfen es maximal vier sein. Sind vier Kinder im Vorschulalter und jünger, darf die Gruppengröße auch in Niederösterreich nicht größer sein. Sind nur drei Kinder so jung, dürfen insgesamt bis zu sieben betreut werden. Eines muss eine Tagesmutter also auf jeden Fall mitbringen: Verständnis für Bürokratie.

Tagesmütter dürfen Kindergruppen mit maximal drei bis acht Kindern beaufsichtigen, je nach Alter - und je nach Bundesland. (Andrea Heigl/Gudrun Springer, DER STANDARD, 26.3.2013)

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