Der ungeliebte Landeshauptmann

25. März 2013, 18:11
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Günther Platter scheint mit seiner eigenen Partei nicht warm zu werden - und umgekehrt

 Innsbruck/Wien - Die Tiroler ÖVP habe nicht die Geschlossenheit, die es brauche, um ihre 40 Prozent zu halten, sagt Ferdinand Karlhofer, Politikwissenschafter an der Universität Innsbruck. Parteichef und Landeshauptmann Günther Platter gilt als schwach. Er würde nicht "auf den Tisch hauen" wie etwa sein Vorgänger Herwig van Staa. Vergangenes Jahr hielt Platter seinem Vertrauten Christian Switak wochenlang den Rücken frei, obwohl bereits die Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den Landesrat wegen einer zu günstigen Mietwohnung eines Skiliftkaisers und diverse Jagdeinladungen ermittelte. Er sei zu weit weg vom Volk, einfach so mit ihm zu sprechen sei kaum möglich, heißt es von Politikerkollegen.

Auch wenn ÖVP-Landesgeschäftsführer Martin Malaun interne Zwistigkeiten als "Einzelmeinungen" abtut, zeigen sie den Zustand der Partei. Das bürgerliche Lager in Tirol ist politisch aufgesplittert, das trifft besonders auch die Volkspartei.

Keine gute Nachrede

Auch in Wien und ebenso in seiner eigenen Partei hat Platter keine sonderlich gute Nachrede. In seiner Zeit als Innen- und Verteidigungsminister hat sich der Tiroler hier offenbar kaum Freunde gemacht. Sein Umgang mit den Agrargemeinschaften wird als unverständlich empfunden, er selbst gilt als hölzerner Typ, mit dem man kaum warm wird. Auch Platters Kontakte in andere Bundesländer sind bescheiden.

Allen Umfragen zum Trotz erklärte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bei der Präsentation des Platter'schen Personenkomitees, er sei sich sicher, "dass ein Vierer vor dem Wahlergebnis" der Tiroler Schwarzen stehen werde. Damit legt er die Latte für Platter hoch, sämtliche Umfragen geben der ÖVP am 28. April zwischen 30 und 35 Prozent. Nicht klar ist, ob sich Töchterle damit als "Retter" der Tiroler ÖVP nach einem Absturz in Richtung 30 Prozent in Stellung bringen wollte. Sagt er doch selbst, dass er auch nach der Nationalratswahl im September wieder einer Regierung angehören will.

Beim Antreten von immerhin elf Listen gebe es "genug Konkurrenz" und damit Gründe für weitere schwarze Verluste, baut Geschäftsführer Malaun schon einmal argumentativ vor. Ziel sei es jedenfalls, eine "Regierung ohne ÖVP" zu verhindern. Auf Platter wird die Partei jedenfalls setzen. " Er steht für Stabilität", sagt Malaun. Ab 2. April wird der Landeshauptmann plakatiert. (ver, völ, DER STANDARD, 26.3.2013)

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